Emotionaler Abschluss der Südamerika-Reise des Papstes lenkt den Fokus auf ein Land, in dem alle Probleme der Region konzentriert zu beobachten sind - Von Tobias Käufer (KNA)
Lima, 30.10.2026 (KAP/KNA) Sie bauen ihm eine Statue und widmen ihm zu Ehren einen Keks: Papst Leo XIV. werden zum Abschluss seiner Südamerikareise in Peru die Herzen der Gläubigen zufliegen. Das liegt daran, dass der gebürtige US-Amerikaner vor seiner Zeit als Papst noch unter seinem bürgerlichen Namen Robert Francis Prevost rund 20 Jahre lang in Peru wirkte - zunächst als Missionar, dann als Bischof. Von 2020 bis 2021 übernahm er als Bischof von Chiclayo auch die Übergangsleitung der Diözese Callao.
Während der Corona-Pandemie, die in Peru prozentual besonders viele Todesopfer forderte, organisierte Bischof Prevost in Callao unter anderem die Verteilung von Lebensmitteln. Bei Überschwemmungen watete er an der Seite der armen Peruaner in Gummistiefeln durch den Schlamm und organisierte Hilfe. Das haben die Peruaner nicht vergessen.
Drogenhandel, Migration, Bergbau
Im Mittelpunkt des Papstbesuchs im Land vom 11. bis 16. November aber werden nicht nostalgische Erinnerungen, sondern zentrale gesellschaftliche Fragen stehen, die Peru stellvertretend für ganz Lateinamerika bietet. Etwa die Ausbreitung des illegalen Bergbaus, der mit seinem Quecksilberverbrauch ganze Flüsse und damit die Lebensgrundlage indigener Gemeinden zerstört. Der Rohstoffhunger der westlichen Welt spielt dabei eine unrühmliche Rolle.
Hinzu kommen unter anderem die fortschreitende Amazonas-Zerstörung, der Drogenhandel, die Migration in Richtung USA sowie ganze Bevölkerungsschichten, die trotz Wachstumsraten vom Aufschwung abgeschnitten sind. Und dann noch das Erbe der Zeit, als Alberto Fujimori (1990-2000) an der Macht war. Perus Machthaber ließ damals indigene Frauen ohne ihr Wissen sterilisieren, um - so seine Aussage - damit die Armut zu bekämpfen.
Fujimori ging zudem knüppelhart gegen die Steinzeitkommunisten der Guerilla-Organisation "Leuchtender Pfad" vor, die sich zwar als Kämpfer für eine gerechte Sache präsentierten, aber die Bevölkerung terrorisierten. Für die einen war Fujimori ein Held, für die anderen ein Verbrecher gegen die Menschlichkeit.
Fujimori-Tochter mit radikalen Plänen
Seit ein paar Monaten ist nun Keiko Fujimori im Amt. Sie ist die Tochter des inzwischen gestorbenen Ex-Präsidenten, der wegen seiner Menschenrechtsverletzungen eine lange Haftstrafe absaß. Keiko Fujimori kündigte jüngst in einem martialisch anmutenden Video die Gründung einer Spezialeinheit an, die erbarmungslos gegen Kriminalität vorgehen werde.
Um ihrem Wunsch-Image als Law-and-Order-Präsidentin gerecht zu werden, sucht sie gezielt die politische Nähe zu Nayib Bukele, dem Präsidenten El Salvadors, der zehntausende mutmaßliche Gang-Mitglieder mithilfe eines Ausnahmezustandes verhaften ließ. Und der der derzeit populärste Politiker Lateinamerikas ist.
Dazu passt auch die Veröffentlichung einer neuen Richtlinie für die peruanischen Schulen, die Fujimori mit ihrem grundsätzlichen politischen Kompass rechtfertigte: "Ordnung muss nicht nur auf den Straßen herrschen, sondern auch wieder in unsere Schulen und in unsere Klassenzimmer zurückkehren", sagte die rechtskonservative Politikerin laut peruanischen Medienberichten jüngst bei einem Schulbesuch im Großraum Lima.
Verbot von Make-up und gefärbten Haaren
Es gebe Rechte, aber auch Grenzen und Pflichten, so Fujimori weiter und kündigte an, Jungen müssten kurze Haare tragen. Zudem sei es strengstens verboten, sich die Haare zu färben oder Make-up zu tragen. Bildungsminister José Chang legte mit einem Verbot von Nagellack nach. Zudem müssten die Röcke der obligatorischen Schuluniformen eine als "angemessen" geltende Länge einhalten.
Viel kontroverser Gesprächsstoff also, zu dem sich die Peruaner eine Einschätzung "ihres" Papstes erhoffen, der sogar einen peruanischen Pass besitzt. Für ihn persönlich dürfte die Rückkehr in seine Wahlheimatstadt Chiclayo ein besonderes emotionales Erlebnis werden - und seinen Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen noch ein bisschen mehr schärfen als ohnehin schon.