Eine Woche berieten auf Einladung von Papst Leo XIV. Leiter aller Bischofskonferenzen über aktuelle Trends bei Ehe und Familie
Rom/Vatikanstadt, 15.10.2026 (KAP) Mehrere Teilnehmer des jüngsten weltweiten Bischofstreffens in Rom über Ehe und Familie haben eine positive Bilanz der einwöchigen Veranstaltung gezogen, die am Mittwoch zu Ende gegangen ist. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, erklärte, man habe "darüber gesprochen, wie Ehe und Familie in ganz unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen gelebt werden".
Bei den Diskussionen sei deutlich geworden, "dass es einer vertieften Befassung mit den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils bedarf, gerade mit Blick auf jene Dokumente, die die Familie und Glaubensweitergabe und die Heilige Schrift zum Thema haben", so der Bischof von Münster.
Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und ihrer Zulassung zur Kommunion sei kontrovers diskutiert worden. "Hier wurden unterschiedliche Auffassungen über das Verhältnis zwischen kirchenrechtlichen Regelungen und den pastoralen Perspektiven von Amoris laetitia deutlich", sagte Wilmer. Er selbst habe zudem auf Gewalt innerhalb von Familien hingewiesen. Gewalt gegen Frauen, bis hin zu Femiziden, sei "eine erschütternde Realität, die wir nicht ausblenden dürfen, wenn wir über Ehe und Familie sprechen".
Österreichs Bischofskonferenz-Vorsitzender Franz Lackner hatte schon zuvor gegenüber Radio Vatikan (Dienstag) von "wirklich sehr guten" Gesprächen bei dem Treffen berichtet. Die Probleme beim Thema Ehe und Familie seien überall in der Weltkirche "ziemlich gleich". Ratlosigkeit aber habe unter den Teilnehmenden der Versammlung nicht geherrscht, fügte der Salzburger Erzbischof hinzu: "Im Gegenteil, ich erlebe einen Ansporn, dass wir uns in diesen Bereichen mehr engagieren und es besser machen in Zukunft! Denn - was ebenfalls von allen Seiten gesagt wird: Die Sehnsucht auch bei jungen Menschen nach einer fixen Beziehung, nach einer lebenslangen Beziehung, nach einer Beziehung in Liebe und Respekt ist ja groß."
Das Bischofstreffen habe auch durchaus die geltende kirchliche Lehre im Bereich von Ehe und Familie bekräftigt, so Lackner weiter. "Doch genauso kräftig sagen wir: Die Kirche schließt niemanden aus. Sie will den Leuten dort begegnen, wo sie sind."
Fortgang noch offen
Am Mittwochabend hatten nach der letzten Sitzung des Treffens bei einer Pressekonferenz im Vatikan Teilnehmer und Experten aus Nigeria, Frankreich, Brasilien, Ecuador, Italien und Malta eine erste Bilanz gezogen. Auch sie fiel positiv aus.
Der maltesische Erzbischof Charles Scicluna betonte, das Treffen habe gezeigt, dass das Papstschreiben "Amoris laetitia" von 2016 bis heute ein anregendes, reiches Dokument für die Seelsorge sei. Der französische Moraltheologe Philippe Bordeyne, als Präsident des Päpstlichen Instituts für Ehe und Familie einer der Vordenker des Treffens, erklärte, es sei noch unklar, in welcher Form die Beratungsergebnisse veröffentlicht werden.
Der Papst habe sich noch vor Antritt seines Spitalsaufenthalts ausbedungen, dass er den Text vorher sehen und gegebenenfalls ergänzen wolle. Inhaltlich betonte Bordeyne, die Debatten hätten gezeigt, dass der Begriff der "Zerbrechlichkeit" von Ehen und Familien nicht länger als eine Art Schwäche verstanden werde, sondern als etwas, das zum Menschsein gehöre.
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