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Missionsverständnis im Wandel der Zeit: 100 Jahre Weltmissionssonntag

15.10.2026 08:11
Österreich/Kirche/Geschichte/Entwicklungshilfe/Weltmissionssonntag
Gebet, Glaubenszeugnis und solidarische Hilfe seit Anfängen 1926 zentral - Heute Betonung von Eigenständigkeit der Ortskirchen, Begegnung auf Augenhöhe und gegenseitiges Lernen
Wien, 15.10.2026 (KAP) Vom Missionsgedanken in der Zeit kolonialer Machtansprüche hin zu weltweiter Partnerschaft auf Augenhöhe: Der Weltmissions-Sonntag, der am 18. Oktober 2026 sein 100-jähriges Bestehen feiert, spiegelt den Wandel des katholischen Missionsverständnisses wider. Was 1926 von Papst Pius XI. auf den Weg gebracht wurde, ist heute eine weltweite Solidaritätsaktion, die Gebet, Glaubenszeugnis und konkrete Hilfe verbindet. Missio-Nationaldirektor Johannes Laichner und Missio-Kampagnenchefin Daniela Ploberger haben im Vorfeld im Interview mit Kathpress dargelegt, wie sich seither der Blick auf die Weltkirche gewandelt hat - und damit auch das Missionsverständnis, bei dem es heute um Begegnung und gegenseitiges Lernen geht.

Die historischen Wurzeln des Weltmissions-Sonntags reichen in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück. 1919 forderte Papst Benedikt XV. (1914-1922) in seinem Apostolischen Schreiben "Maximum illud", die kirchliche Mission von nationalen Interessen und kolonialen Ansprüchen zu lösen. Sie gehöre Christus, nicht einzelnen Nationen, und müsse eigenständige Ortskirchen fördern sowie einheimische Priester und Verantwortungsträger ausbilden. "Mission soll frei von kolonialen Interessen sein", fasste Ploberger den damals durchaus revolutionären Impuls des Kirchenoberhaupts zusammen.

Der nächste Papst, Pius XI. (1922-1939), führte diese Entwicklung weiter. 1922 stärkte er die Päpstlichen Missionswerke und verlegte das 1822 in Lyon von Pauline Jaricot gegründete "Werk der Glaubensverbreitung" nach Rom. Auch seine Enzyklika "Rerum Ecclesiae" vom 28. Februar 1926 unterstrich die Verantwortung der gesamten Kirche für die Mission. Wenig später nahm er den Vorschlag des Generalrats des Päpstlichen Werks der Glaubensverbreitung für einen gemeinsamen Missionstag an. Erstmals wurde dieser 1927 am vorletzten Sonntag im Oktober begangen. Von Beginn an gehörten Gebet, Bewusstseinsbildung und Spenden zusammen. Bereits damals sollte jährlich in jeder Diözese ein besonderes Missionsfest stattfinden.

Auch in Österreich wurde der Weltmissions-Sonntag rasch bekannt. Ein kirchliches Verordnungsblatt der damaligen Diözese Seckau rief 1927 dazu auf, jährlich in jeder Diözese ein besonderes Missionsfest abzuhalten. Dieses war in den folgenden Jahrzehnten zwar durch Weltwirtschaftskrise, politische Umbrüche und vom Zweiten Weltkrieg geprägt, "der Aufruf zur Unterstützung blieb aber trotz unterbrochener Verbindungen und erschwerter Finanzierung bestehen", betonte Ploberger. So gab es 1940 den eindringlichen Appell "Betet für unsere Missionare!", und 1946 wurde erneut betont, dass die Missionspflicht auch in Zeiten der Not und Sorge für alle Gläubigen gelte.

Konzilwende im Missionsverständnis

In der Nachkriegszeit und im Zuge der Entkolonialisierung gewann die Eigenständigkeit der Ortskirchen weiter an Bedeutung. Das Zweite Vatikanische Konzil erklärte 1965 im Missionsdekret "Ad gentes" die Kirche ihrem Wesen nach für missionarisch und betonte den Auftrag aller Getauften. Dies sei ein "entscheidender Wendepunkt" gewesen, erklärte Nationaldirektor Laichner: Mission sei nicht eng auf die Weitergabe religiöser Inhalte zu reduzieren, sondern bedeute vor allem, "etwas zu teilen, von dem man überzeugt ist, dass es den anderen beschenkt". Dazu gehörten das eigene Glaubenszeugnis ebenso wie materielle Solidarität, ein neuer Blick auf den Menschen und der respektvolle Umgang miteinander. Mission setze voraus, dass Menschen selbst erfahren hätten, was ihnen am Glauben wichtig sei und Kraft gebe.

Laichner betonte, der Weltmissions-Sonntag solle den Blick auf andere Kulturen und Nationen öffnen. "Wer nur auf den eigenen Kirchturm schaut, sieht nicht die ganze Kirche", hielt er fest. Die Weltkirche werde in den Pfarren lebendig, wenn Menschen Anteil am Leben anderer Gemeinschaften nähmen und deren Not nicht gleichgültig gegenüberstünden. Zugleich gehe es um mehr als eine Spendenaktion: Der Weltmissions-Sonntag sei ein geistlicher Auftrag, aus dem heraus Gebet und Unterstützung entstünden. "Weltweite Solidarität besteht nicht allein in finanzieller Hilfe, sondern im gegenseitigen Lernen, im Glaubenszeugnis und in der Anerkennung der Vielfalt der Ortskirchen", so der aus Tirol stammende Priester.

Partnerschaftliche Arbeit und Bewusstseinsbildung

"Mission bedeutet heute, die Erfahrungen und Bedürfnisse der Menschen vor Ort ernst zu nehmen und ihnen nicht ein fertiges Modell von außen vorzugeben", unterstrich Kampagnenchefin Ploberger. Um koloniale Abhängigkeiten zu vermeiden, setzt Missio auf partnerschaftliche Projektarbeit. Entscheidend sei, gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort Nöte und Chancen zu ermitteln, Wissen weiterzugeben und die eigenständige Entwicklung zu ermöglichen, wobei "Hilfe zur Selbsthilfe" das wesentliche Kriterium sei. Projekte sollten langfristig wirken und in die Verantwortung der örtlichen Partner übergehen, statt Abhängigkeiten zu schaffen.

Heute unterstützt der Weltmissions-Sonntag rund 1.100 der ärmsten Diözesen weltweit. In Österreich beteiligen sich rund 3.000 Pfarren an der Aktion. Ein wichtiger Bestandteil der weltkirchlichen Arbeit ist auch die Missio-Jugendaktion, die 1975 Kinder und Jugendliche in Schulen, Pfarren sowie Jugend- und Jungschargruppen für globale Solidarität, soziale Gerechtigkeit und nachhaltiges Handeln sensibilisiert.

Für den Herbst 2026 stehen österreichweit 330.000 Packungen Schokopralinen in einer recyclebaren Papierbox sowie 130.000 Packungen "Happy Blue Chips" - beide aus Fairem Handel - bereit.
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