Oberstes Verwaltungsgericht Tschechiens gibt Beschwerde von Jaroslav Broz statt - Prodekan Marian Cacik leitet vorläufig Katholisch-Theologische Fakultät - Jahrelanger Konflikt um Personal und Finanzen
Prag, 14.10.2026 (KAP) Im jahrelangen Streit um die Leitung der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag hat das Oberste Verwaltungsgericht (NSS) in Tschechien eine neuerliche gerichtliche Prüfung der Abberufung von Jaroslav Broz als Dekan der Fakultät angeordnet. Per Entscheidung von Ende September hob das Verwaltungsgericht ein Urteil des Prager Stadtgerichts vom vergangenen Dezember auf, das eine Klage von Broz gegen seine Abberufung abgewiesen hatte. Das Stadtgericht muss den Fall erneut verhandeln. Über die Rechtmäßigkeit der Abberufung ist damit noch nicht abschließend entschieden.
Karlsuni-Rektor Jiri Zima legte laut Medienberichten am 5. Oktober fest, dass der von Broz mit seiner Vertretung betraute Prodekan und Priester Marian Cacik die Fakultät bis zur neuerlichen Gerichtsentscheidung führen soll. Broz begrüßte das Urteil. Er habe von Beginn an auf erhebliche sachliche und rechtliche Mängel des Abberufungsverfahrens hingewiesen, erklärte der Theologe.
Ausgangspunkt der seit Jahren schwelenden Auseinandersetzungen war unter anderem die Entlassung des Priesters und Professors Tomas Petracek durch den damaligen Dekan Vojtech Novotny im Zuge von Sparmaßnahmen vor drei Jahren. Die Entscheidung löste Proteste von Studierenden und Lehrenden sowie öffentliche Solidaritätsbekundungen aus. Auch nach Novotnys Rücktritt und der Wahl von Broz hielten die Konflikte um Personalentscheidungen, Finanzen und die Fakultätsleitung an.
Unter der damaligen Rektorin Milena Kralickova war Broz im Mai 2024 und im Sommer 2025 zweimal als Dekan abberufen worden. Zeitweise leitete Michaela Falatkova die Katholisch-Theologische Fakultät; später wurde diese unter eine vom Bildungsministerium angeordnete Zwangsverwaltung gestellt. Nach dem Amtsantritt von Rektor Zima wurde die Zwangsverwaltung aufgehoben. Broz kehrte bis zur Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichts in sein Amt zurück.
Bereits vor mehr als einem halben Jahr hatte das Verwaltungsgericht Brozs Kassationsbeschwerde aufschiebende Wirkung zuerkannt. Der akademische Senat der Fakultät wählte dennoch am 3. März Jiri Dvoracek zum Kandidaten für das Dekansamt. Die erforderliche Zustimmung des Heiligen Stuhls und die Ernennung durch den Rektor stehen bislang aus.
Ein Zeichen der Annäherung setzte zuletzt die gemeinsame Teilnahme von Vertretern beider Konfliktparteien am Gottesdienst zum Beginn des akademischen Jahres. Diesen feierte der seit dem Frühjahr neue als Prager Erzbischof und damit auch Großkanzler der Fakultät amtierende Stanislav Pribyl.
Gerichtliche Auseinandersetzung überschattet Wahl von Kirchenrechtler Dvoracek zum Kandidaten für das Amt des Dekans - Universitätsspitze warnt vor "Doppelherrschaft" - Fakultät weiter unter Zwangsverwaltung - Von Kathpress-Korrespondent Pavel Mikluscak