Abschlussgottesdienst des einwöchigen internationalen Bischofstreffens zum Zehn-Jahr-Jubiläum des Schreibens "Amoris laetitia" - Papst betont in von Kardinal Tagle verlesener Predigt die Tugenden vor der Ehe
Vatikanstadt, 14.10.2026 (KAP) Premiere auf dem Petersplatz: Erstmals in der Amtszeit Leos XIV. hat am Mittwoch der Kardinaldekan anstelle des erkrankten Papstes dessen Predigt vorgetragen. Zum Abschluss einer einwöchigen internationalen Bischofsversammlung zum Thema Ehe und Familie im Vatikan übernahm der philippinische Kurienkardinal Luis Tagle (69) die Leitung des Gottesdienstes, an dem Hunderte Bischöfe und Priester sowie Zehntausende Besucherinnen und Besucher teilnahmen. Aus Österreich feierte der Salzburger Erzbischof und Bischofskonferenz-Vorsitzende Franz Lackner die Messe mit.
Der Papst hatte erst wenige Tage vor seiner Krebs-Operation am Dienstag Tagle als neuen Leiter des Kardinalskollegiums bestätigt, das die Kirche nach Tod oder Amtsverzicht eines Papstes übergangsweise leitet. Der neue Dekan begann die Predigt mit den Worten: "Ich werde jetzt die Predigt verlesen, die der Heilige Vater Leo XIV. verfasst hat."
Papst betont Tugenden vor der Ehe
In dem Predigttext betonte Leo XIV., zur Ehe gehöre der "feste Plan, das gesamte Leben miteinander zu teilen und aufzubauen". Jungen Menschen, die sich auf die Ehe vorbereiten, müsse die Kirche die Bedeutung der Tugenden vermitteln. Keuschheit nehme einen besonderen Platz ein, "denn sie ist eine wertvolle Voraussetzung für ein echtes Wachstum der zwischenmenschlichen Liebe".
Dass derzeit viele junge Katholiken lange vor der Ehe als Paare zusammenleben, wurde in der Predigt nicht erwähnt. Bei dem von Leo XIV. zum Zehn-Jahr-Jubiläum des Schreibens "Amoris laetitia" einberufenen Treffen der Bischofskonferenz-Vorsitzenden aus aller Welt war dies in den vergangenen Tagen mehrfach zur Sprache gekommen. Weiter betont der Papst in dem Predigttext die Offenheit der Ehe für Kinder. Er formulierte: "Ohne stabile Familien, die offen sind für das Geschenk von Kindern und die sich um ihre Erziehung und ihr Heranwachsen kümmern, hat die Welt keine Zukunft."
Mit Nachdruck rief Leo XIV. die Familien auf, den Brauch des gemeinsamen Gebets, insbesondere bei Mahlzeiten, neu zu beleben. In den Fürbitten nach der Predigt beteten die Menschen auf dem Petersplatz eigens auch für den erkrankten Papst und für seine "baldige und vollständige Genesung".
Kardinaldekan handelt im Papstauftrag
Neben der Predigt hatte Papst Leo XIV. Kardinaldekan Tagle auch den Auftrag erteilt, bei der Feier auf dem Petersplatz einen kirchenrechtlich wichtigen Akt gegenüber einer der mit Rom vereinten Ostkirchen auszusprechen. Tagle bekundete am Ende der Predigt, wie er selbst sagte, "im besonderen Auftrag des Heiligen Vaters Leo XIV." dem neuen chaldäischen Patriarchen von Bagdad, Paul III. Nona, öffentlich die kirchliche Gemeinschaft.
Die Gemeinschafts-Bekundung an ein neues Oberhaupt einer östlichen Kirche mit eigenem Ritus ist Voraussetzung für die kirchenrechtliche Zusammengehörigkeit Roms mit einer solchen Kirche. Die Chaldäer sind die größte christliche Konfession im Irak. Ihr Patriarchat hat seinen Sitz in Bagdad, während ein großer Teil der weltweit rund 650.000 Gläubigen inzwischen in der Diaspora lebt, insbesondere in den USA, Australien und Westeuropa.
Der schon seit einigen Monaten als chaldäischer Patriarch amtierende Paul III. wandte sich zum Ende der Messe an Kardinaldekan Tagle und übermittelte ihm im Namen der Chaldäischen Kirche den Dank an Papst Leo XIV. für die Gewährung der kirchlichen Gemeinschaft.
Bischofskonferenz-Vorsitzender: In der gesamten Weltkirche bestehende Probleme beim Thema Ehe und Familie "ein Ansporn, dass wir uns in diesen Bereichen mehr engagieren und es besser machen in Zukunft"
Im Vatikan versammelte Bischofskonferenz-Vorsitzende, Familienseelsorge-Fachleute und Paaren und Familien aus mehreren Ländern berieten zum Abschluss von einwöchiger Versammlung über christliche Familien als Träger der kirchlichen Mission