Mauthausen Komitee fordert Respekt vor Existenzrecht aller Völker
14.10.202612:42
Österreich/Politik/Konflikte/Mauthausen-Komitee
Erklärung des Internationalen Mauthausen Komitees zu aktuellen politischen Entwicklungen: "Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen national wie international, die ernsthafte Suche nach Zusammenarbeit, Gerechtigkeit und Frieden wieder als ihren obersten Auftrag zu sehen"
Wien/Prag, 14.10.2026 (KAP) Das Internationale Mauthausen Komitee (CIM) hat in einer Erklärung vom Mittwoch eine Rückkehr zu Respekt vor dem Existenzrecht und der Selbstbestimmung aller Völker und den Schutz der Zivilbevölkerung bei militärischen Konflikten eingemahnt. Die Erklärung wurde bei der jüngsten Sitzung des CIM in Prag verabschiedet. Wörtlich heißt es: "Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen national wie international, die ernsthafte Suche nach Zusammenarbeit, Gerechtigkeit und Frieden wieder als ihren obersten Auftrag zu sehen."
An die Bürgerinnen und Bürger aller Länder appelliert das Komitee zugleich, "an den Wahlurnen nicht jenen ihre Stimme zu geben, die Gewalt, Nationalismus und Krieg das Wort reden und auf die Verächtlichmachung von politisch Andersdenkenden und anderen Völkern und Nationen setzen". Die Erklärung wurde anlässlich aktueller politischer Entwicklungen verabschiedet, wie es hieß. Konkretere Angaben wurden nicht gemacht.
Als Vereinigung jener Organisationen, in denen sich nach der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen und seiner Außenlager Überlebende und Angehörige von Opfern zusammengeschlossen haben, sehe man mit äußerster Sorge, "dass die Rechte von Völkern und Volksgruppen sowie der Schutz der Würde und der Rechte jedes einzelnen Menschen zunehmend missachtet werden". Selbst Regierungen von demokratischen Ländern und Nationen, die einst Europa vom mörderischen NS-Regime befreit haben oder deren Opfer waren, machten sich der Verletzung dieser Rechte schuldig.
In der Erklärung ist von der besorgniserregenden Tendenz die Rede, "Krieg als gängiges Mittel der Politik wieder zu rechtfertigen, anstatt alles zu unternehmen, einen solchen zu vermeiden". Nicht zuletzt würden Szenarien diskutiert, in denen der Künstlichen Intelligenz die Kriegsführung übergeben wird. Deshalb betont das CIM: "Die Gefangenen in den Konzentrationslagern und auch viele Soldaten haben erlebt, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sind; von Menschen programmierte Maschinen werden es erst recht sein. Und was an einem von Maschinen geführten Krieg 'intelligenter' sein soll als an einem von Menschen geführten erschließt sich uns schon gar nicht."
Kampf gegen Imperialismus und nationale Verhetzung
Die CIM-Mitglieder erinnern an den Mauthausen-Schwur, jene Grundsätze und Ideale, zu denen sich die Überlebenden unmittelbar nach ihrer Befreiung selbst verpflichtet haben. "Treu diesen Idealen schwören wir, solidarisch und im gemeinsamen Einverständnis, den weiteren Kampf gegen Imperialismus und nationale Verhetzung zu führen", heiße es darin und weiter: "Der Friede und die Freiheit sind die Garantien des Glückes der Völker, und der Aufbau der Welt auf neuen Grundlagen sozialer und nationaler Gerechtigkeit ist der einzige Weg zur friedlichen Zusammenarbeit der Staaten und Völker." Man wolle "einen gemeinsamen Weg beschreiten, den Weg der unteilbaren Freiheit aller Völker, den Weg der gegenseitigen Achtung, den Weg der Zusammenarbeit am großen Werk des Aufbaues einer neuen, für alle gerechten, freien Welt".
Dem CIM sei bewusst, dass in den Jahrzehnten seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges das Ringen um diese Ideale und um eine neue internationale Friedensordnung immer nur schrittweise und bruchstückhaft gelungen sei und von vielen partikularen Interessen konterkariert wurde. Aber es habe Fortschritte und berechtigte Hoffnungen gegeben. Umso mehr würden jene Entwicklungen schmerzen, die diese Ziele und Errungenschaften zurückzudrängen und deren Missachtung zu rechtfertigen versuchten.