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Indien: Hindu-Nationalisten griffen katholische Kirche an

13.10.2026 13:54
Indien/Religion/Extremismus
Ortsbischof verurteilt Gewalt und fordert Schutz der katholischen Bevölkerung - Kirche weist Vorwürfe religiöser Bekehrungen zurück
Neu-Delhi, 13.10.2026 (KAP) Im indischen Bundesstaat Westbengalen sollen rund 200 hindu-nationalistische Aktivisten eine katholische Kirche angegriffen und mehrere Gläubige verletzt haben. Hintergrund sind Vorwürfe angeblicher religiöser Zwangsbekehrungen, die von kirchlicher Seite zurückgewiesen werden, wie die Nachrichtenportale "Vatican News" und "Ucanews" melden. Der örtliche Diözesanbischof Nirmol Vincent Gomes verurteilte die Gewalt und forderte den Schutz der katholischen Bevölkerung.

Zu dem Angriff auf die katholische St.-Louis-Kirche im Dorf Jalalkhai im Distrikt Nadia kam es demnach bereits am vergangenen Freitagabend (9. Oktober). Nach Angaben des Pfarrers Jithin Muthukattil versuchten die Aktivisten der hindu-nationalistischen Organisation Vishwa Hindu Parishad gewaltsam auf das Kirchengelände vorzudringen. Sie seien mit Fahrzeugen gekommen und hätten Ziegelsteine und Bambusstöcke mitgeführt.

Gemeindemitglieder versuchten zunächst, das Eingangstor zu verschließen und mit Bambus zu verbarrikadieren. Die Angreifer hätten jedoch Steine und Ziegel geworfen, seien gewaltsam auf das Gelände eingedrungen und hätten provisorische Tore sowie Glasabdeckungen von Heiligenstatuen beschädigt, darunter auch die einer Christusstatue. Mehr als zehn Männer und Frauen, die sich den Angreifern entgegenstellten, seien geschlagen worden. Nach etwa einer Stunde sie die Polizei eingetroffen und habe die Situation unter Kontrolle gebracht. Nach Angaben eines Vertreters der diözesanen Laienkommission wurden zunächst keine Verantwortlichen festgenommen.

Gebetsveranstaltung vorzeitig beendet

Zum Zeitpunkt des Angriffs hatten sich rund 1.900 Christen der indigenen Santhal-Gemeinschaft aus umliegenden Gebieten zu einer viertägigen Gebetsveranstaltung im Divine Love Retreat Centre versammelt, das zur Pfarre gehört. Die Veranstaltung hatte am 8. Oktober begonnen. Aufgrund des Angriffs und weiterer Drohungen wurde sie jedoch bereits am 10. Oktober nach der Heiligen Messe und dem Frühstück beendet. Pfarrer Muthukattil erklärte gegenüber "Ucanews", dass die jährlich stattfindende Gebetsveranstaltung in den vergangenen zwölf Jahren keinen vergleichbaren Anfeindungen ausgesetzt gewesen sei.

Der Bischof von Krishnanagar, Nirmol Vincent Gomes, zeigte sich bestürzt über den Vorfall. Er bezeichnete er die Ereignisse als die schlimmste Form von Gewalt, die seine Diözese bislang erlebt habe. Priester und Ordensfrauen hätten bereits am 9. Oktober Anzeige bei der Polizei erstattet. Sie fordern die Festnahme der Verantwortlichen und Schutz für die verängstigten katholischen Gläubigen. Ein leitender Polizeibeamter bestätigte auf Anfrage von "Ucanews", dass eine Anzeige eingegangen sei und die Ermittlungen liefen.

Kirche weist Vorwürfe religiöser Bekehrungen zurück

Die Angreifer warfen den kirchlichen Veranstaltern vor, Hindus zum Christentum zu bekehren. Ein Vertreter der Vishwa Hindu Parishad behauptete, in mehreren Regionen Westbengalens würden Menschen mit Geld und Wunderversprechen zu einem Religionswechsel bewegt. Der Ordinariatskanzler der Erzdiözese Kalkutta, Pater Dominic Gomes, wies die Anschuldigungen zurück. Die Gebetsveranstaltungen dienten nicht dazu, Menschen zum Christentum zu bekehren. Vielmehr sollten sie den Teilnehmern Gelegenheit zum Gebet, zur geistlichen Unterstützung und zur Erneuerung ihres Glaubens geben. Bei einer fairen und objektiven Prüfung anhand von Fakten und Beweisen würden sich die Bekehrungsvorwürfe als unbegründet erweisen, erklärte Gomes.

Auch Herod Mullick, Gründungssekretär des Bengal Christian Council, äußerte sich besorgt. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich zunehmend in verschiedenen Teilen des Bundesstaates. Er förderte die Behörden zu einer unverzüglichen und unparteiischen Untersuchung auf. Zudem müsste die öffentliche Ordnung gewährleistet und die Verantwortlichen rasch zur Rechenschaft gezogen werden.
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