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Kirchenoberhaupt von Zypern verteidigt Dialog mit dem Vatikan

12.10.2026 13:18
Zypern/Vatikan/Kirche/Ökumene/Diplomatie/Papst/Orthodoxie
Erzbischof Georgios (Papachrysostomou) verteidigt gegenüber Medien seine ökumenischen Kontakte und plant, Mitte Oktober in Rom Papst Leo zu treffen
Nikosia, 12.10.2026 (KAP) Erzbischof Georgios (Papachrysostomou), Oberhaupt der Orthodoxen Kirche Zyperns, hat in einem Interview mit lokalen Medien den Dialog seiner Kirche mit der Römisch-katholischen Kirche verteidigt. Zugleich wies er Anschuldigungen zurück, dass es zuletzt zu orthodox-katholischen Konzelebrationen gekommen sei. Der Erzbischof betonte, dass Christen nach Wegen suchen sollten, bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen zusammenzuarbeiten, ohne dabei ihre Überzeugungen aufzugeben. Insofern seien auch die Beziehungen zur katholischen Kirche von großer Bedeutung. Georgios kritisierte zudem religiösen Fanatismus innerhalb der Orthodoxie. Eine solche Haltung richte sich letztlich nicht nur gegen Christen anderer Konfessionen, sondern auch gegen orthodoxe Glaubensgenossen, warnte der Erzbischof.

Die Aussagen des Kirchenoberhaupts sind von aktueller Bedeutung, da die zyprische Kirchenleitung angekündigt hat, Georgios wird von 19. bis 21. Oktober im Vatikan hochrangige Gespräche führen. Weiters ist ein Treffen mit Papst Leo XIV. anberaumt. Ob dieses angesichts der aktuell anstehenden Lungen-Operation des Papstes stattfinden kann, steht derzeit noch nicht fest.

Erzbischof Georgios hob im Interview, über das u.a. das Portal "OrthodoxTimes" berichtete, die Bedeutung der Beziehungen zum Heiligen Stuhl im Hinblick auf die internationale Unterstützung für Zypern hervor. "Wir bitten den Heiligen Stuhl auch um Unterstützung in unserer nationalen Angelegenheit, da er über viele akkreditierte Botschafter und Nuntien in der ganzen Welt verfügt", sagte er. Das umfangreiche diplomatische Netzwerk des Vatikans könne dazu beitragen, der Zypernfrage mehr internationale Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Der Erzbischof äußerte sich zudem besorgt über die Situation der christlichen Gemeinden im Nahen Osten. Er betonte, dass religiöse Führer die Verantwortung hätten, mit den politischen Autoritäten zusammenzuarbeiten, um Bedingungen zu schaffen, die es Christen ermöglichen, in ihren angestammten Heimatländern zu bleiben.

Mehr Nachdruck auf Wiedervereinigung

Mit den politischen Fortschritten hinsichtlich einer Wiedervereinigung Zyperns zeigte sich der Erzbischof im Interview unzufrieden. Einzelne Maßnahmen kommentierte er so, dass die Gefahr bestehe, dass sich die bestehenden Realitäten vor Ort verfestigen, anstatt die Insel der Wiedervereinigung näher zu bringen. Georgios betonte, dass die Zypernfrage weiterhin eine Frage der Invasion, Besatzung und Menschenrechtsverletzungen sei. Er argumentierte zudem, dass Zypern und Griechenland als Mitgliedstaaten der Europäischen Union die ihnen durch die EU-Mitgliedschaft gebotenen Möglichkeiten voll ausschöpfen sollten.

Der Erzbischof äußerte zudem Bedenken hinsichtlich der Restaurierung von Kirchen und religiösen Denkmälern in den besetzten Gebieten Zyperns. Er begrüße, dass im nördlichen Teil Zyperns Kirchen und andere christliche Stätten auch mit finanzieller Unterstützung der griechisch-zyprischen Seite und der Europäischen Union finanziert werden, die Kirchen sollten dann aber auch wieder als Gottesdienststätten genützt werden, was zumindest teilweise nicht der Fall sei.

Gespräche über Reliquien-Überführung

Laut orthodoxen Medienberichten soll es beim Besuch des Kirchenoberhaupts in Rom auch um die Möglichkeit der Überführung der Hauptreliquie des Apostels Paulus - genauer gesagt seinen Schädel - nach Zypern gehen. Diese Reliquie wird in der Basilika San Giovanni in Lateran in Rom aufbewahrt.
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