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Heiliger Franziskus
Bild Copyright: © DomQuartier Salzburg

Schönborn: Franziskus Wegweiser für kriegerische Zeit

02.10.2026 12:15
Österreich/Kirche/Religion
Kardinal in Zeitungskolumne: "Während die Christen Krieg gegen den Islam führten, begegnete er wehrlos in Ägypten dem Sultan, der von Franziskus tief berührt war" - 800 Jahre nach dem Tod des 1226 verstorbenen Ordensgründer erinnert Schönborn an Menschen- und Weltbild des Heiligen
Wien, 02.10.2026 (KAP) "Für unsere kriegerische Zeit ist der Heilige Franziskus der wahre Wegweiser": 800 Jahre nach dem Tod des 1226 verstorbenen Ordensgründer und wohl bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche, hat der Wiener Erzbischof in seiner wöchentlichen Kolumne "Antworten" in der Tageszeitung "Heute" (Freitag) an den "weit über alle Grenzen der katholischen Kirche" bekannten Franz von Assisi erinnert. Besonders hob Schönborn dessen Verständnis von allen Menschen als Brüder und Schwestern sowie seine Begegnung mit dem muslimischen Sultan al-Kamil während des Kreuzzugs hervor. Franziskus sei "weit über alle Grenzen der katholischen Kirche" hinaus bekannt.

Der Heilige habe sich trotz wohlhabender Familie für ein Leben in freiwilliger Armut, um Christus nachzufolgen, entschieden, so Schönborn. Zugleich habe er Kranke und Aussätzige versorgt und auf Besitz und gesellschaftliche Anerkennung verzichtet.

Besonders bemerkenswert sei die Begegnung des Heiligen mit Sultan al-Kamil in Ägypten. "Während die Christen Krieg gegen den Islam führten, begegnete er wehrlos in Ägypten dem Sultan, der von Franziskus tief berührt war", so Schönborn. Diese Begegnung sei auch ein Vorbild für Papst Franziskus (2013 - 2025) gewesen, als dieser 2019 in Ägypten den Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmad al-Tayyeb, traf. Die beiden unterzeichneten anschließend das "Dokument über die Brüderlichkeit für Weltfrieden und Zusammenleben".

Auch Franziskus Verhältnis zur Schöpfung hob Schönborn hervor. Der "Sonnengesang" sei "eines der schönsten Lieder über die Schöpfung" und zugleich eines der frühen bedeutenden dichterischen Werke in italienischer Sprache. Für Menschen, die sich für den Schutz von Umwelt und Natur einsetzen, sei Franziskus "eine Art Schutzpatron". Seine besondere Liebe zu Tieren habe zudem zur Tradition der Tiersegnungen an seinem Gedenktag beigetragen.

Franziskus-Jahr zum 800. Todestag

Als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers verzichtete der in Assisi geborene Giovanni di Pietro di Bernardone auf Besitz und gesellschaftliche Anerkennung, lebte als Bettler und kümmerte sich um Kranke und Aussätzige. 1219 suchte er während des Kreuzzugs die Begegnung mit dem muslimischen Sultan al-Kamil. Seine Bewegung wuchs rasch und wurde Teil der katholischen Kirche. Der "Sonnengesang", den Franziskus gegen Ende seines Lebens verfasste, gehört zu den bekanntesten Texten der christlichen Spiritualität. Am Abend des 3. Oktober 1226 starb er im Alter von etwa 44 Jahren.

In der katholischen Kirche weltweit läuft seit 10. Jänner ein "Franziskus-Jahr". Auf Geheiß von Papst Leo XIV., der Assisi im August zu einem Jugendtreffen besucht hat, können Gläubige unter bestimmten Bedingungen durch den Besuch einer franziskanischen Kirche oder eines mit Franz von Assisi verbundenen Ortes einen vollkommenen Ablass erlangen. Für Kranke und Menschen, die ihre Wohnung nicht verlassen können, gelten besondere Bestimmungen.
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