Das Treffen von Leo XIV. und Frankreichs Staatspräsident war seit Tagen Gesprächsthema: Wie viel Pomp für den Papst und Glanz für den Präsidenten war angesagt? - Am Ende verlief der Termin höflich, aber mit klaren Ansagen seitens des Papstes - Von Kathpress-Korrespondent Ludwig Ring-Eifel
Paris, 25.09.2026 (KAP) Paris zeigte sich von seiner besten Seite, als Papst Leo XIV. am Freitagvormittag dort seine viertägige Frankreichreise begann. Straßen und Wohnhäuser waren in mildes Spätsommersonnenlicht getaucht, selbst der rostige Stahl des Eiffelturms schien zu leuchten. Winkende Menschen säumten die Straßen, manche saßen im Bistro und tranken ihren Café in der Septembersonne.
Anders als sein Vorgänger Franziskus, der in seiner Amtszeit drei einzelne Orte im Land besuchte, stattet Papst Leo XIV. Frankreich einen echten Staatsbesuch ab - auch wenn der Akzent der Reise eindeutig auf dem kirchlichen Programm liegt. Um das Protokoll für die Begrüßung durch Präsident Emmanuel Macron im Élysée-Palast hatte es im Vorfeld Spekulationen gegeben. Medien hatten berichtet, Macron hätte mehr Glamour haben wollen, doch der Vatikan habe dies verweigert.
Höfliche Begrüßung ohne Herzlichkeit
Das Präsidialamt dementierte. Doch allein die Tatsache, dass darüber spekuliert wurde, schien die ersten Momente der Begegnung zu belasten. Freundlich und höflich, aber ohne erkennbare Herzlichkeit und Wärme begrüßten der Präsident und seine ganz in Schwarz gekleidete Ehefrau Brigitte den Papst auf dem roten Teppich des Präsidentenpalasts.
Und beim Fotografentermin unmittelbar vor Beginn des langen Vieraugengesprächs zwischen Papst und Präsident wirkte der Gastgeber weniger entspannt als sein Gegenüber aus Rom. Inzwischen hatten Medien berichtet, dass Macron bei den großen Papst-Messen in Paris, Lourdes und Metz seine Abwesenheit avisiert hatte.
Neue Spekulationen, Macron wolle dem Papst mit seiner Abwesenheit bei den Messen eine stille Retourkutsche geben, machten die Runde. Doch sie bewahrheiteten sich nicht. Denn präsidiale Zurückhaltung bei Papstmessen hat im laizistischen Frankreich Tradition, es war also keine unfreundliche Geste Macrons.
Umso aufmerksamer wurde verfolgt, welche Akzente die beiden in ihren Reden setzen würden. Macron betonte die kulturelle Prägung Frankreichs durch das Christentum: Die Laizität Frankreichs sei keine Leugnung der Religion. Zudem unterstrich er den parallelen Einsatz von Staat und Kirche für Geflüchtete und Bedürftige. Die ethischen Streitthemen mit der Kirche sprach er in allgemeiner, philosophischer Form an und versprach dem Papst, Frankreich werde dessen Worte aufmerksam hören.
Papst bei Lebensschutz sehr besorgt
Der Papst zeigte sich bei seiner ersten Rede dankbar für Macrons Worte und zugleich kompromisslos in der Ablehnung von Abtreibung und aktiver Sterbehilfe. Liberalisierungen in beiden Bereichen hatte Macron in seiner zweiten Amtszeit mit Nachdruck vorangetrieben. Am 19. August hatte Macron das von ihm explizit befürwortete Gesetz zur legalen Sterbehilfe für schwerkranke Menschen unterschrieben.
Der Papst nutzte seine Rede im Élysée-Palast dazu, zu erklären, dass und warum die Kirche diesen Weg vom Leben zum Tod ablehnt. Er verband das mit Kritik an einem aus seiner Sicht fehlgeleiteten Umgang mit dem technischen Fortschritt in der Medizin und formulierte: "Deshalb betone ich nachdrücklich, dass der Schutz des Rechts auf Leben die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte bildet."
Er fuhr fort: "Heute besteht die Versuchung, sich von der Wissenschaft eine Lösung und einen Trost für all unser Leid zu erwarten. Dabei besteht oft die Gefahr, dass man einer Illusion erliegt. (...) Mit Besorgnis stelle ich bisweilen fest, wie Gesellschaften derzeit in die falsche Richtung abdriften und Gefahr laufen, Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln, die genetische Manipulationen, Leihmutterschaft, den Handel mit Organen oder das Angebot eines geplanten Todes fördern."
Kirchliches Highlight ohne Macron
Nach der höflichen, aber klaren Konfrontation mit dem Präsidenten stand eine Rede vor der weltweiten Bildungsorganisation Unesco auf dem Programm, die ihren Sitz in Paris hat. Auch dieser UN-Organisation hat die katholische Kirche immer wieder Kontra gegeben, wenn die Unesco für sichere Abtreibungen warb.
Am Abend sollte der Papst das erste kirchliche Highlight seines Besuchs erleben: Ein Abendgebet in der unter Macrons Ägide wieder aufgebauten Kathedrale Notre-Dame. Der Präsident wollte, so heißt es, den Papst eigentlich persönlich durch die prachtvolle Kirche führen. Aber auch das stieß im Vatikan auf wenig Gegenliebe: Der Gottesdienst, nicht der Präsident sollte im Mittelpunkt stehen.
Leo XIV. erinnert bei Rede im Élysée-Palast in Paris an die "tiefen" christlichen Wurzeln Frankreichs, wirbt für ein richtiges Verständnis von Laizität und ruft einmal mehr zum Einsatz für Frieden auf
Leo XIV. beginnt viertägige Frankreich-Reise - Am Freitag Treffen mit Präsident Macron, Besuch bei Unesco und Vesper in wiederaufgebauter Kathedrale Notre-Dame