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Nach fünf Jahrzehnten wieder ein Papst bei der Unesco

18.09.2026 10:15
Frankreich/Vatikan/Papst/Kirche/Diplomatie/Menschenrechte/Kultur/Bildung/Wissenschaft/KI/Unesco
Kulturorganisation der Vereinten Nationen und Papst Leo XIV. treten gemeinsam für Menschenwürde im KI-Zeitalter ein
Paris/Vatikanstadt, 18.09.2026 (KAP) Wenn Papst Leo XIV. am 25. September während seiner Frankreich-Reise den Hauptsitz der Unesco in Paris besucht, folgt er einem prominenten Vorgänger. Zuletzt sprach Johannes Paul II. am 2. Juni 1980 vor der Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Damals stellte der polnische Papst den Menschen als Schöpfer und Ziel von Kultur ins Zentrum. Bei Leo XIV. stellt sich diese Frage unter den Bedingungen Künstlicher Intelligenz (KI) neu.

Die Unesco sieht dabei große Übereinstimmung mit dem Heiligen Stuhl. "Die gemeinsame Botschaft von Unesco und Vatikan ist eindeutig: Technologischer Fortschritt muss von menschlichen Werten geleitet und durch eine verstärkte globale Zusammenarbeit gestützt werden, damit sich Menschenwürde und Kreativität im digitalen Zeitalter entfalten können", erklärte die Organisation im Vorfeld des Besuchs.

Leo XIV. trifft bei der Unesco zunächst zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Generaldirektor Khaled El-Enany zusammen. Nach einem Besuch des "Platzes der Toleranz" und der Kunstausstellung auf dem Gelände folgt die offizielle Zeremonie. Dort halten der Papst und El-Enany Grundsatzreden. Unesco und Heiliger Stuhl wollen zudem ein Rahmenabkommen zur stärkeren Zusammenarbeit im Bereich KI unterzeichnen.

Junge Menschen diskutieren Papst-Enzyklika

Bereits am Vormittag des 25. September befassen sich junge Menschen sowie Vertreter aus Kunst, Forschung und öffentlichem Leben beim Unesco-Forum "Jugend im digitalen Zeitalter" mit Fragen der Digitalisierung. Grundlage der Debatten ist auch die im Mai veröffentlichte Enzyklika "Magnifica humanitas" von Leo XIV. über den Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der KI. Weitere Themen des Tages sind Bildung, Frieden, die Integrität von Informationen und künstlerisches Schaffen.

In seiner im Mai 2026 veröffentlichten Sozialenzyklika warnt Leo davor, Künstliche Intelligenz mit menschlicher Intelligenz gleichzusetzen. KI-Systeme könnten bestimmte menschliche Fähigkeiten nachahmen und Menschen bei Geschwindigkeit und Rechenleistung übertreffen. Sie verfügten aber weder über menschliche Erfahrung und Körperlichkeit noch über moralisches Gewissen. Vernunft, Gewissen und Freiheit des Menschen müssten daher technische Innovationen leiten.

Zugleich wendet sich Leo XIV. nicht gegen technischen Fortschritt. Entscheidend sei, ob dieser dem Gemeinwohl, der Gerechtigkeit und dem Schutz der Schwächeren diene. Die Unesco betont ähnlich, angesichts des raschen technologischen Wandels müssten Menschenwürde und der Schutz besonders gefährdeter Menschen im Mittelpunkt von Innovation stehen.

Würde des Menschen

Damit ergibt sich eine Verbindung zum Papstbesuch von 1980. Johannes Paul II. hatte damals Kultur als das beschrieben, wodurch der Mensch mehr Mensch werde. Bildung und Kultur solle Menschen dazu befähigen, mehr zu "sein" und nicht lediglich mehr zu "haben". Auch Wissenschaft und technischer Fortschritt müssten sich an der Würde des Menschen orientieren.

Leo XIV. greift diesen Gedanken unter veränderten technologischen Bedingungen auf. Im Mittelpunkt steht nun die Frage, wie der Vorrang des Menschen gegenüber lernenden Maschinen, algorithmischer Informationsauswahl und automatisierten Entscheidungen gewahrt werden kann.

Papst Johannes Paul II. hatte am 2. Juni 1980 am Unesco-Sitz in Paris eine Ansprache gehalten. Dieser Besuch war damals Teil seiner ersten Frankreichreise (30. Mai bis 2. Juni 1980).

Mehr als 190 Unesco-Mitglieder

Die Weltkulturorganisation Unesco - das Kürzel steht für United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization / Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur - ist eine von 16 Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Ziel der Unesco ist, durch Förderung internationaler Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation zur Wahrung von Frieden und Sicherheit beizutragen.

"Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden", heißt es im Gründungsdokument der Organisation, das 37 Staaten am 16. November 1945 in London unterzeichneten. Mehr als 190 Mitglieder sind derzeit in der Unesco vertreten. Österreich ist seit 1948 Mitglied der Weltkulturorganisation.

Gründungsmitglied USA hatte schon 2017 während der ersten Präsidentschaft von Donald Trump einmal seinen Austritt aus dem multinationalen Instrument erklärt. Unter Trumps Nachfolger Joe Biden erfolgte der erneute Beitritt der USA, in Trumps zweiter Präsidentschaft der zweite Austritt zum 31. Dezember 2026.

Zuständig ist die Unesco unter anderem für die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten und die Konvention gegen illegalen Handel mit Kulturgut. Bekannt ist die UN-Organisation vor allem, weil sie das Welterbekomitee trägt, das besondere Bauwerke und Naturstätten unter besonderen Schutz stellt.

(Unesco-Website: www.unesco.org; Enzyklika "Magnifica humanitas" von Papst Leo XIV.: www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html; Ansprache von Johannes Paul II. beim Unesco-Besuch 1980: www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/speeches/1980/june/documents/hf_jp-ii_spe_19800602_unesco.html)

(Diese Meldung ist eines Kathpress-Themenpakets zur Papstreise nach Frankreich. Alle Meldungen des Schwerpunkts sind abrufbar unter www.kathpress.at/Papst-Leo-in-Frankreich)
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