Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz nimmt an Synodalitätstagung in Wels teil und betont im Blick auf Kirchenreformen: "Es ist wichtig, nicht alleine vorzupreschen"
Linz, 15.09.2026 (KAP) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer, will keine Alleingänge einzelner Ortskirchen bei Reformen. Im Rahmen des synodalen Prozesses der Weltkirche müsse die Kultur des Hörens noch weiterentwickelt werden, sagte Wilmer im Gespräch mit Radio Vatikan (Dienstag) am Rande der dieswöchigen Tagung "Shaping Synodality in Europe" im Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels in Oberösterreich. Eindringlich plädierte Wilmer dafür, dass die Kirchen in Europa noch stärker zusammenrücken und aufeinander hören.
"Europa braucht unbedingt eine synodale Kirche, weil Europa immer komplexer wird, immer fragmentierter wird", sagte der DBK-Vorsitzende. Es bestehe die Gefahr, "dass Europa zerfällt, dass Europa sich in Kleinstaaterei ergibt und es gibt Scharmützel." Nachsatz: "Wir brauchen eine Einheit, wir brauchen eine starke Kirche." Und mit nochmals anderen Worten: "Europa braucht eine Orientierung aus dem Evangelium - und das kann nur geschehen, wenn die Kirche gemeinsam unterwegs ist, wenn die Kirche synodal ist."
Er erhoffe sich von der Tagung in Wels, "dass wir als Europäerinnen und Europäer stärker zusammenrücken, dass wir uns als eine gemeinsame Gruppe sehen, dass wir noch stärker auch das europäische Christentum betonen und nicht so sehr uns in nationale oder kleinstaatliche Gepflogenheiten bewegen". Es gelte, "wirklich aufeinander hören - und zwar die Nordeuropäer auf die Südeuropäer, die Leute aus dem Westen auf den Osten!"
Es sei wichtig, dass die Kirchen aufeinander achten und nicht alleine vorpreschen, "dass wir gemeinsam unterwegs sind und tatsächlich auf unsere Geschwister im Glauben aus den benachbarten Kirchen hören und uns erkunden, wo drückt euch der Schuh, wie können wir euch helfen; wie können wir gemeinsam unterwegs sein und was könnt ihr uns sagen, wie wir das Evangelium vielleicht auch besser verkünden könnten."
Keine Angst vor Erneuerungen
Ängsten vor Veränderungen erteilte Wilmer im Radio-Vatikan-Interview eine Absage. Die Kirche habe sich immer gewandelt seit den Tagen Jesu: "Wandlung ist auch Teil der Kirche. Wir brauchen keine Angst zu haben vor Erneuerungen, wir brauchen keine Angst zu haben vor dem Geist in der Zeit, der uns zeigt, wie wir heute gut das Evangelium verkünden, so dass wir heute neu nah beim Menschen sind".
Die internationalen Tagung "Shaping Synodality in Europe. From Vision to Roadmap" findet noch bis Donnerstag im diözesanen Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels statt. Rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern kommen dort zusammen, darunter Delegationen aus 28 europäischen Bischofskonferenzen sowie 23 Bischöfe und zwei Kardinäle. Ziel ist es, unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven europäischer Ortskirchen zusammenzuführen und daraus eine "Roadmap" für die weitere Umsetzung der Weltsynode zu entwickeln. Organisiert wird die Tagung von der Abteilung für Synodalität der Katholischen Privat-Universität Linz (KU) gemeinsam mit der europäischen Taskforce für Synodalität und unter der Schirmherrschaft des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE).
(Kathpress begleitet den viertägigen Workshop in Puchberg bei Wels journalistisch. Die laufend ergänzten Beiträge dazu sind unter www.kathpress.at/synodenworkshop2026 abrufbar.)
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