Khorchide: Islamunterricht schützt vor Radikalisierung
29.08.202610:10
Deutschland/Religion/Bildung/Islam/Medien
In Münster lehrender Religionspädagoge: "Wer den islamischen Religionsunterricht abschafft, überlässt die religiöse Bildung Instagram und Tiktok"
Würzburg/Münster, 29.08.2026 (KAP/KNA) Wissenschaftler Mouhanad Khorchide wirbt für islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen. "Wer den islamischen Religionsunterricht abschafft, überlässt die religiöse Bildung Instagram und Tiktok, die dann das Vakuum füllen", schreibt Khorchide in einem Gastbeitrag in der aktuellen Ausgabe der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" (27. August).
Junge Muslime setzten sich ohnehin mit dem Glauben auseinander. Die entscheidende Frage sei nur, wo. Eine aktuelle Studie zeige deutlich, dass sie vor allem in den Sozialen Medien nach Antworten auf ihre religiösen Fragen suchten. "Dort stoßen sie aber auf die Angebote unkontrollierter, oftmals radikaler Prediger und Influencer", warnt der Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster.
Wer junge Muslime stark machen wolle, muss ihnen laut Khorchide einen Ort geben, an dem sie ihren Glauben durchdenken können: "Diese Orte dürfen wir nicht aufgeben."
Ethikunterricht ist kein Ersatz
Im Ethikunterricht bleibe die Frage der Identität offen. Guter islamischer Religionsunterricht hingegen nehme den Glauben ernst und helfe zugleich, ihn kritisch zu hinterfragen. "Er bietet eine aufgeklärte Lesart an, die den ideologischen Angeboten auf ihrem eigenen Feld entgegentritt. Die Jugendlichen lernen, Propaganda aus dem Netz von Theologie zu unterscheiden", betont Khorchide. So sei der islamische Religionsunterricht "eines der wirksamsten Mittel der Prävention von Radikalisierung". Zudem sei bekenntnisorientierter Religionsunterricht in Deutschland ein Grundrecht.
Khorchide betonte, der Religionsunterricht brauche klare, verbindliche Vorgaben: "Geschlechtergerechtigkeit, Antisemitismus und der Umgang mit digitalen Medien gehören verpflichtend in den Kernlehrplan, damit Lehrkräfte nicht auf sich allein gestellt sind, sondern eine klare Orientierung haben." Dafür seien Lehrkräfte erforderlich, die gelernt hätten, ihre eigene Tradition selbstkritisch und reflektiert zu lesen.
Der Religionsunterricht müsse die Vielfalt der Muslime in Deutschland widerspiegeln, die "weit aufgeschlossener" sei, als die derzeit am Religionsunterricht beteiligten Verbände, fügte der Wissenschaftler hinzu. Ziel solle sein, "ein staatlich verantwortetes, wissenschaftlich fundiertes und plural verankertes Modell des konfessionellen islamischen Religionsunterrichts zu stärken".