Unabhängige bosnische Medien berichten von "beschämenden Szenen"
Sarajevo, 28.08.2026 (KAP/KNA) In mehreren Städten Bosnien-Herzegowinas haben ethnische Serben in der Nacht zum Freitag des gestorbenen Kriegsverbrechers Ratko Mladic gedacht. Wie örtliche Medien berichten, hielten mehrere Kirchen Gedenkgottesdienste für den ehemaligen Armeegeneral ab. Auf den Straßen zündeten Trauernde Kerzen an.
Unabhängige bosnische Medien berichten von "beschämenden Szenen", die sich nach Mladics Tod am Donnerstag an mehreren Orten des Balkan-Landes abgespielt hätten. Auf einem Video ist zu sehen, wie Hunderte Menschen durch die Stadt Zvornik zogen, Mladics Namen riefen und in die Hände klatschten. Dabei trugen sie Bilder des verurteilten Völkermörders sowie serbische Flaggen.
Als Volksheld verehrter Kriegsverbrecher
Der Stadt unmittelbar an der Grenze zu Serbien komme besondere Bedeutung zu, wie der Sender N1 berichtet. Hier hätten bosnisch-serbische Kräfte während des Kriegs (1992-95) Tausende Menschen getötet, darunter auch viele der 8.000 Opfer des berüchtigten Srebrenica-Massakers. Zu ähnlichen Szenen soll es auch im serbisch bewohnten Teil der Hauptstadt Sarajevo und anderen Siedlungen gekommen sein.
Mladic war am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in einem UN-Gefängniskrankenhaus in Den Haag gestorben. In der Haftanstalt hatte er eine lebenslange Freiheitsstrafe für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord während des Bosnienkriegs verbüßt. Als General in der bosnischen Teilrepublik Srpska hatte er neben dem Srebrenica-Massaker auch eine führende Rolle bei der Belagerung der Hauptstadt Sarajevo über fast vier Jahre gespielt. Nationalistische Kräfte und einige ethnische Serben verehren Mladic bis heute als Volkshelden.