56-jähriger Labour-Politiker laut Berichten in jungen Jahren auch von "Arbeiter-Priestern" geprägt - Kirchenvertreter äußern verhaltene Hoffnung, dass sich Soziallehre stärker im politischen Handeln widerspiegeln könnte
London, 13.07.2026 (KAP) Der Labour-Politiker Andy Burnham wird voraussichtlich neuer britischer Premierminister. Die katholische Kirche im Vereinigten Königreich verbindet damit verhaltene Hoffnungen. Kirchenvertreter erwarten keine grundlegende politische Wende, sehen aber die Möglichkeit, dass sich die katholische Soziallehre stärker im politischen Handeln widerspiegeln könnte. Dies berichteten die Nachrichtenportale "OSV News" und "Vatican News" (Montag).
Der 56-jährige Burnham könnte schon kommende Woche die Nachfolge des zurückgetretenen Premiers Keir Starmer antreten. Er wäre der erste britische Regierungschef, der seit seiner Kindheit der katholischen Kirche angehört und dies auch praktizierte. Gleichwohl ist Burnham heute nicht als regelmäßiger Kirchgänger bekannt. In einem Interview vor einigen Jahren bezeichnete er sich als katholisch erzogen, aber mittlerweile nicht besonders religiös.
Bischof Brian McGee, stellvertretender Vorsitzender der Schottischen Bischofskonferenz, erklärte, Burnham habe mehrfach betont, von der katholischen Soziallehre inspiriert zu sein. Wenn sein Gewissen tatsächlich vom Evangelium geprägt sei, könne dies "Früchte tragen". McGee wies jedoch auf das gesellschaftliche Klima in Großbritannien hin: "Viele Menschen hier mögen die christliche Kirche nicht und wollen keinen Glauben im öffentlichen Raum", sagte der Bischof.
Von "Arbeiter-Priestern" geprägt
Burnham ist derzeit Bürgermeister von Greater Manchester. Er wuchs als Sohn einer irischstämmigen Mutter in einer katholischen Familie in Warrington auf und war wie seine Brüder als Ministrant aktiv. Die Zeitung "Times" berichtete, dass Burnham in seinem Kirchenbild vor allem von Priestern geprägt worden sei, die sich in den 1980ern für die sozial vernachlässigte städtische Arbeiterklasse einsetzen, darunter auch der damalige Liverpooler Erzbischof Derek Worlock (1920-1996).
Politisch setzt sich Burnham, als Labour-Politiker Teil des Mitte-Links-Spektrums, unter anderem für staatliche Bildung, Sozialleistungen, das Steuersystem und den Wohnungsbau ein. In Fragen wie Abtreibung, Sterbehilfe, Sexualaufklärung und den Rechten der LGBTQ+-Gemeinschaft vertritt er jedoch eine liberale Haltung. 2015 etwa forderte Burnham laut "OSV News" Papst Franziskus (2013-2025) auf, die Kirche in Bezug auf die gleichgeschlechtliche Ehe "ins 21. Jahrhundert zu führen".
In einer Rede vor dem Londoner Thinktank "Theos" im Oktober versprach der Labour-Politiker, glaubensbasierte Organisationen sowie eine neue Politik zu unterstützen, die auf "Vertrauen, Gemeinschaft, Glauben und Überzeugung" beruht, und bezeichnete ein Treffen mit Papst Franziskus im Jahr 2023 als das "größte Privileg" seines Lebens.
Boris Johnson, von 2019 bis 2022 britischer Regierungschef, war katholisch getauft, wuchs aber als Anglikaner auf und praktizierte lange Jahre keinen Glauben. Der Anglikaner Tony Blair wiederum praktizierte zwar schon in seiner Amtszeit katholisch, konvertierte jedoch erst nach seinem Rücktritt als Premierminister 2007.
Der wohl nächste Regierungschef in der Downing Street wurde in jungen Jahren geprägt von Labour, dem Fußballklub Everton und einem katholischen Erzbischof - Hintergrundbericht von Alexander Brüggemann (KNA)