Warnung vor "Politisierung" von Archäologie-Fund im Westjordanland
13.07.202612:39
Palästina/Israel/Archäologie/Konflikte/Religion
Im besetzten Westjordanland haben israelische Archäologen ein antikes jüdisches Ritualbad gefunden
Jerusalem, 13.07.2026 (KAP/KNA) In der antiken Siedlung Schiloh im von Israel besetzten Westjordanland haben israelische Archäologen eine jüdische Kultstätte aus biblischer Zeit freigelegt. Die Funde aus der Zeit des zweiten Tempels (516 v. Chr. bis 70 n. Chr.), darunter ein jüdisches Ritualbad (Mikwe), unterstrichen die "tiefe historische Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem antiken Schiloh" erklärte der Archäologiebeauftragte der sogenannten israelischen Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten, Har Even, laut israelischen Medienberichten von Montag.
Zu den Funden gehört demnach auch eine seltene Murex-Muschel, deren Purpurfarbstoff zum Färben ritueller jüdischer Kleidung genutzt wurde, darunter Teile der Gewänder des Hohepriesters.
Der Vorsitzende des Jescha-Rats, einer Dachorganisation israelischer Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten, Israel Ganz, bezeichnete die Funde als Nachweis der historischen Verbindungen des jüdischen Volkes zu dieser Region in einer Zeit, "in der es Menschen gibt, die unsere Verbindung zu diesem Land infrage stellen wollen".
Vorwurf der Politisierung von Archäologie
Aktivisten, darunter die israelische Archäologenorganisation Emek Shaveh, warnten wiederholt vor einer Politisierung archäologischer Stätten und einem Missbrauch der Archäologie als Waffe der israelischen Besatzung. Die Erschließung der Stätte sei ein klares Mittel, um einen breiten Konsens über ihre Bedeutung als untrennbarer Teil des Staates Israel zu schaffen, so die Organisation.
Tel Shiloh, im arabischen Sprachgebrauch Khirbet Seilun, liegt nördlich des palästinensischen Dorfes Turmus Aya auf dem Gebiet der heutigen israelischen Siedlung Schiloh. Bis zu ihrer Vertreibung in den frühen 1980er Jahren lebten Familien aus dem palästinensischen Dorf Qaryut auf dem Gebiet der archäologischen Stätte.
Biblisch als Ort der Stiftshütte bekannt
Nach biblischer Darstellung war Schiloh der Standort der Stiftshütte, in der die Bundeslade aufbewahrt wurde, sowie das spirituelle Zentrum der Stämme Israels in vorstaatlicher Zeit. Während es für den Standort der Stiftshütte keine archäologischen Belege gibt, haben mehrere Ausgrabungen seit 1915 verschiedene Besiedlungsschichten seit der mittleren Bronzezeit (18. bis 16. Jahrhundert v. Chr.) freigelegt. Unter anderem wurden dabei Überreste von vier byzantinischen Kirchen gefunden. Die Stätte ist besonders bei evangelikalen christlichen Gruppen beliebt.