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Ball der Fußball-WM 2026
Bild Copyright: © Emmanuel Pernsteiner

Theologe: Warum Fußball Religion ähnelt und doch keine ist

10.07.2026 11:29
Deutschland/Glaube/Religion/Sport/Fußball
Theologie-Professor und Fußballschiedsrichter Paganini: "Der Fußball ist kein Glaube im theologischen Sinn. Aber er erinnert uns daran, dass der Mensch ein Wesen ist, das glauben, hoffen, feiern und dazugehören möchte"
Wien/Aachen, 10.07.2026 (KAP/KNA) Auch wenn der Fußball viele religiöse Züge hat, ersetzt er laut dem Theologen und langjährigen Fußballschiedsrichter Simone Paganini keine Religion. "Er beantwortet keine letzten Fragen nach dem Sinn des Lebens", schreibt der Professor für Biblische Theologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen in einem am Freitag veröffentlichten Beitrag für das Portal "feinschwarz.net".

Niemand gehe ins Stadion, um Theologie zu lernen. Dennoch erfülle der Fußball viele Funktionen, die Religionen seit Jahrtausenden erfüllen: "Er stiftet Gemeinschaft, schafft Identität, erzeugt Rituale, vermittelt Hoffnung und erzählt Geschichten, die Menschen bewegen", so Paganini. Besonders deutlich werden die religiösen Parallelen seiner Meinung nach auf der Ebene der Gefühle: "Religion arbeitet mit Hoffnung und Angst, mit Schuld und Vergebung, mit Leid und Erlösung, mit Barmherzigkeit und Bestrafung. Fußball kennt dieselben Emotionen."

Einfache Orientierung in komplexer Welt

Entscheidend sei nicht die Frage, ob Fußball "wirklich" eine Religion ist, sondern vielmehr die Tatsache, dass Millionen Menschen ihn auf eine Weise erlebten, die religiösen Erfahrungen nahekomme. "Vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis seiner anhaltenden Faszination: Der Fußball ist kein Glaube im theologischen Sinn. Aber er erinnert uns daran, dass der Mensch ein Wesen ist, das glauben, hoffen, feiern und dazugehören möchte", fasst Paganini zusammen.

Fans sprechen laut dem Theologen nicht nur vom "Fußballgott", sondern auch von Schicksal, Glück oder Gerechtigkeit: "Wer ein sicheres Tor vergibt, werde später bestraft. Wer kämpft, werde belohnt. Es geht um Opfer, Leiden, radikale Hingabe." Rational betrachtet, träfen solche Aussagen nur manchmal zu. "Dennoch bleiben sie wirksam", betont Paganini.

Denn Menschen neigten dazu, Ereignisse in sinnvolle Geschichten einzubetten: "Was die eigene Überzeugung bestätigt, wird erinnert; was widerspricht, wird vergessen." Deshalb funktionierten religiöse wie sportliche Erzählungen so gut. "Sie geben einfache Orientierung in einer komplexen Welt", schreibt der Wissenschaftler.

(Beitrag im Portal feinschwarz.net: www.feinschwarz.net/fussball-als-gelebter-glauben/)
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