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Papst auf den Kanaren: Leo besucht Europas Vorposten der Migration

05.06.2026 12:21
Spanien/Migration/Papst/Kirche/Politik
Leo XIV. trifft Flüchtlinge und Helfer - Von Manuel Meyer (KNA)
Madrid/Gran Canaria, 05.06.2026 (KAP/KNA) Papst Leo XIV. wird im Rahmen seiner Spanien-Reise auch 24 Stunden auf den Kanarischen Inseln verbringen. Am 11. Juni besucht er Gran Canaria, am Tag darauf ist er auf Teneriffa. Für die Diözesen auf den spanischen Ferieninseln vor der Küste Westafrikas hat der Besuch große Bedeutung.

"Seine Nähe ermutigt uns auch in unserer Arbeit mit Migranten", sagte Teneriffas Bischof Eloy Santiago der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das anhaltende Migrationsdrama ist der Grund, warum Leo XIV. die Inseln im Atlantik besucht.

Ausweichroute Atlantik

Nachdem die EU größtenteils die Route über die Türkei und Griechenland blockierte, wichen vor allem die Migranten aus Afrika auf die Kanaren aus. Im vergangenen Jahr ging ihre Zahl zwar zurück. Doch 2024 erreichten fast 50.000 afrikanische Bootsflüchtlinge die Inseln.

"Dabei fanden viele den Tod. Die Atlantikroute gehört zu den tödlichsten Migrationsrouten der Welt", versichert Bischof Santiago. Laut Schätzungen der spanischen Flüchtlingsorganisation Caminando Fronteras kamen vergangenes Jahr fast 2.000 Bootsflüchtlinge auf der fast tausend Kilometer langen Überfahrt auf die Kanaren um, darunter auch viele Kinder.

Besuch im Aufnahmelager

In Erinnerung an die Verstorbenen wird der Papst im Hafen von Arguineguín auf Gran Canaria einen Kranz niederlegen und ein Kreuz segnen, das aus Holzfragmenten der Flüchtlingsboote gefertigt wurde. Danach wird er das Aufnahmelager Las Raíces besuchen, in dem sich derzeit rund 600 Migranten aufhalten. Auch wird er sich mit Seenotrettern, freiwilligen Helfern und kirchlichen Organisationen treffen, die sich um Bootsflüchtlinge und ihre Integration kümmern.

"Die Anwesenheit des Papstes ermöglicht uns, der Welt erneut die humanitäre Notlage der Migranten auf den Kanaren vor Augen zu führen", so Teneriffas Bischof. Das weltweite Migrationsdrama liegt dem Papst am Herzen. Im April stellte er auf seiner Afrika-Reise klar, jeder Staat habe zwar ein Recht auf Kontrolle seiner Grenzen und es bedürfe einer geregelten Migration.

Doch er kritisierte auch die unmenschliche Behandlung von Menschen, die vor Leid fliehen: "Migranten sind Menschen und müssen als solche mit Respekt und Würde behandelt werden und dürfen nicht schlechter als Tiere behandelt werden."

Dank an die Bevölkerung

Auf den Kanarischen Inseln will sich der Papst auch bei der Bevölkerung für ihre Hilfsbereitschaft bedanken. "Das wird uns guttun, denn wir sehen uns oftmals von den Massen an Hilfsbedürftigen überwältigt und alleine gelassen", meint Bischof Santiago.

Vor allem die zunehmende Zahl unbegleiteter Minderjährige stelle die lokalen Institutionen und Helfer vor große logistische Probleme, erklärt Caya Suárez Ortega, Generalsekretärin der kanarischen Caritas. Im vergangenen Jahr lebten rund 5.000 Minderjährige in den dafür zuständigen Heimen. "Das übertraf die Aufnahmekapazitäten um das Dreifache." Erst nach langen Verhandlungen erklärten sich die Regionalregierungen auf dem spanischen Festland bereit, einige Hundert minderjährige Migranten von den Kanaren zu übernehmen.

Schwieriger Weg in den Arbeitsmarkt

Das größte Problem beginnt aber, wenn die Jugendlichen volljährig werden, die Zentren verlassen müssen und der Staat nicht mehr für sie zuständig ist. "Hier kommen wir ins Spiel. Wir geben ihnen Sprachunterricht, versuchen sie in die Gemeinden zu integrieren und helfen ihnen, durch Ausbildungsprojekte den Einstieg ins Berufsleben zu finden", erklärt die ausgebildete Sozialarbeiterin.

Auf den vor allem bei Deutschen beliebten Ferieninseln werden hauptsächlich im Hotel- und Gastgewerbe Kellner, Reinigungskräfte und Küchenpersonal gesucht - aber auch Elektriker, Schreiner oder Friseure. Oft hilft die Caritas auch mit Unterkünften, Nahrung und Kleidung aus.

Viele Migranten aus Südamerika

Caritas und Diözesen bieten den Migranten aber auch pastorale und spirituelle Unterstützung an. Denn, so die Caritas-Leiterin, bei einem Großteil handle es sich nicht um afrikanische und überwiegend muslimische Bootsflüchtlinge, sondern um Lateinamerikaner aus Kuba, Kolumbien und Venezuela. Meist kämen sie mit einem Touristenvisum per Flugzeug und blieben dann einfach.

"Ihre Integration ist erheblich einfacher, da sie Spanisch sprechen, dieselbe Religion haben und aus einem ähnlichen kulturellen Umfeld kommen. Doch auch ihr Leben ist schwer und oftmals suchen sie spirituellen Halt", weiß Suárez Ortega. Derzeit hilft die Caritas auch bei den Anträgen im Zuge des außerordentlichen Legalisierungsprozesses, der noch bis Ende Juni läuft.

Die sozialistische Zentralregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez will bis zu einer halben Million illegal im Land lebenden Einwanderern die Möglichkeit geben, ein Arbeits- und Aufenthaltsrecht zu erlangen. Eine Maßnahme, die nicht nur von der Spanischen Bischofskonferenz gelobt wird, sondern auch von einem Volksbegehren ausging, an dem die Kirche aktiv mitarbeitete.
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