Kirche warnt vor Menschenhandel und Ausbeutung durch die WM
05.06.202613:13
Mexiko/USA/Sport/Menschenrechte/Kriminalität
Mexikanische Erzdiözese und US-Kirchenorganisationen rufen zu verstärkter Wachsamkeit auf - Sorge um Kinder, Migranten und andere besonders gefährdete Gruppen
Mexiko-Stadt/Washington, 05.06.2026 (KAP) Die katholische Kirche in Nord- und Mittelamerika warnt anlässlich der anlaufenden Fußball-Weltmeisterschaft 2026 vor einem erhöhten Risiko von Menschenhandel, sexueller Ausbeutung und Gewalt gegen besonders schutzbedürftige Personen. Sowohl die Erzdiözese von Mexiko-Stadt als auch kirchliche Organisationen in den USA sehen in dem Großereignis mit Millionen erwarteten Besuchern nicht nur Chancen für Begegnung und Völkerverständigung, sondern auch mögliche Gefahren durch kriminelle Netzwerke, die derartige Straftaten rund um große Sportveranstaltungen häufig verstärkten.
Einen ausführlichen Appell veröffentlichte dazu die Kinderschutz-Kommission der Erzdiözese Mexiko-Stadt. Die WM finde in einem Umfeld hoher Mobilität und großer Menschenansammlungen statt, was von Menschenhändlern und Ausbeutern gezielt genutzt werden könnte, schlug die kirchliche Einrichtung Alarm. Besonders gefährdet seien Kinder, Jugendliche, Frauen, Migranten und Menschen in prekären Lebenssituationen.
Konkret warnte die Erzdiözese vor falschen Versprechungen von Arbeitsplätzen, Unterkünften oder finanzieller Unterstützung sowie vor Anwerbungsversuchen über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, digitale Plattformen und Online-Spiele. Familien, Schulen, Tourismusbetriebe, Medien und staatliche Stellen rufe man dazu auf, Prävention, Früherkennung und Opferschutz zu verstärken, so die Kommission. Menschenhandel stelle eine schwere Verletzung der Menschenwürde dar.
Zugleich wurden Pfarren, Katecheten, Ordensleute und pastorale Mitarbeiter aufgefordert, Informationsarbeit zu leisten und das Thema in Jugendgruppen und Bildungsangeboten aufzugreifen. Für kirchliche Einrichtungen bereitgestellt wurden zudem Infomaterialien sowie Gebete für Opfer von Ausbeutung und Gewalt.
Präventionspaket für Pfarren
Auch in den USA bereiten sich kirchliche Organisationen auf mögliche negative Begleiterscheinungen der WM vor. Die katholische "Alliance to End Human Trafficking" veröffentlichte ein eigenes Präventionspaket für Gemeinden, Veranstalter und Freiwillige. Großveranstaltungen würden zwar erhebliche wirtschaftliche Impulse bringen, gleichzeitig aber auch Risiken für Arbeits- und sexuelle Ausbeutung erhöhen, hieß es. Menschenhandel betreffe weltweit schätzungsweise 50 Millionen Menschen.
Besondere Aufmerksamkeit bekommt das Thema in WM-Gastgeberstädten wie etwa Atlanta. Dort sei die Erzdiözese schon frühzeitig von den städtischen Behörden in Schulungen für Religionsgemeinschaften eingebunden worden, hieß es. Ziel sei gewesen, Kirchenvertreter auf das Erkennen von Anzeichen von Menschenhandel zu schulen und Betroffenen Hilfe zu vermitteln.
Auch UNO und Amnesty schlagen Alarm
Mit den Warnungen ist die Kirche nicht alleine: Ebenso hatten etwa das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung UNODC, das Kinderhilfswerk Unicef oder die Menschenrechtsorganisation Amnesty International vor Menschenhandel gewarnt. Ein massiver Zustrom von Touristen könne sexuelle Ausbeutung begünstigen, so der Tenor. Von nationalen und internationalen Organisationen in Mexiko wurde zur WM die Website mundialsintrata.com (Weltmeisterschaft ohne Menschenhandel) ins Leben gerufen. Dort können Informationen und Materialien abgerufen werden.
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 findet vom 11. Juni bis 19. Juli erstmals gemeinsam in Mexiko, den USA und Kanada statt. Mit 48 Mannschaften und 104 Spielen wird es die größte WM der Geschichte sein. Mexiko richtet 13 Begegnungen aus, darunter das Eröffnungsspiel in Mexiko-Stadt. Die USA sind Gastgeber der Mehrheit der Partien, darunter auch des Finales in der Metropolregion New York/New Jersey. Kanada empfängt erstmals WM-Spiele auf eigenem Boden.