Scheuer: "Glaube ist Mut zum Leben, zur Liebe, zum Frieden"
29.05.202623:27
Österreich/Kirche/Ökumene/Lange.Nacht.der.Kirchen
Ökumenische Friedensvesper im Linzer Mariendom eröffnete "Lange Nacht der Kirchen" in Oberösterreich
Linz, 29.05.2026 (KAP) "Glaube ist Mut zum Leben, zum Vertrauen, zur Hoffnung, zur Liebe, zur Solidarität und zum Frieden angesichts von Verzweiflung, Hass und Krieg." - Das sagte der Linzer Bischof Manfred Scheuer eingangs der Friedensvesper im Linzer Mariendom, mit der Freitagabend die Lange Nacht der Kirchen in Linz eröffnet wurde. In 80 Kirchen, Kapellen und Begegnungsorten in ganz Oberösterreich konnten die Besucherinnen und Besucher der Langen Nacht der Kirchen zur Ruhe kommen, sich begeistern lassen, Gemeinschaft erleben und zum Teil auch mitmachen. Die Auswahl war groß: Die Lange Nacht bot insgesamt 330 Stunden Programm bei mehr als 250 Veranstaltungen, 120 davon in Linz.
Die ökumenische Friedensvesper im Mariendom stand unter dem Motto "MUTeinander". Mit dabei waren neben Bischof Scheuer u.a. der evangelische Pfarrer Gernot Mischitz, der methodistische Pastor Martin Obermeir-Siegrist, die altkatholische Vikarin Elisabeth Steinegger, Baptisten-Pastor Alexander Strecker, Bezirksältester Hans-Jürgen Brunner von der Neuapostolischen Kirche, die beiden serbisch-orthodoxen Geistlichen Zoran Vrbaki und Djordje Micic, der rumänisch-orthodoxe Pfarrer Sorin Bugner und der griechisch-orthodoxe Pfarrer Goran Ostojic.
In seiner Predigt nahm Pastor Strecker von der Baptistengemeinde Linz ebenfalls Bezug auf das Motto der Langen Nacht der Kirchen. Es sei wichtig, jungen Menschen zu sagen, dass sie wertvoll, geliebt, begabt und wichtig seien, so Strecker. "Das macht Mut und gibt Kraft in einer Welt, die sich manchmal zerrüttet und hoffnungslos anfühlt." Mut sei im Christentum eine Gabe des Heiligen Geistes und gehe als solche weit über alltägliche menschliche Tapferkeit hinaus. "Mut verleiht die Kraft, das Gute zu tun, auch wenn es mit Schmerz, Widerständen oder gesellschaftlichem Druck verbunden ist. Er äußert sich darin, standhaft zu bleiben, das Evangelium furchtlos in Wort und Tat zu verkündigen und Versuchungen oder Ängsten zu widerstehen. Er richtet sich nicht an das eigene Ego, sondern soll dabei helfen, dem göttlichen Antrieb zu folgen und in schwierigen Lebenslagen die richtigen Entscheidungen zu treffen", betonte der Pastor.
Nach der Feier im Mariendom waren alle Interessierten zur ökumenischen Begegnung mit Vertretern der Kirchen auf dem Linzer Hauptplatz eingeladen. Dort bestand auch die Möglichkeit, sich einen persönlichen "Segen to go" zusprechen zu lassen und ein Segensband, Impulskarten und Schokolade als Stärkung für Leib und Seele mit nach Hause zu nehmen.
Im Bischofshof konnten Besucher die Welt der Ikonen und deren spirituelle Bedeutung bei einer Ikonen-Ausstellung mit Werken katholischer und orthodoxer Ikonografen kennenlernen, die von der Linzer Pro Oriente-Sektion gestaltet wurde. Die Ausstellung, die vom Vorsitzenden der Sektion Linz, Altlandeshauptmann Josef Pühringer eröffnet wurde, verwies auf das gemeinsame Erbe der Kirchen und setzte ein Zeichen für ökumenischen Dialog und kulturelle Verständigung.
Ikonen gab es auch in der Serbisch-orthodoxen Kirche am Linzer Hafen zu besichtigen und im Alten Dom lud die ukrainisch-griechisch-katholische Gemeinde zu Andacht und Gesängen in byzantinischer liturgischer Tradition und zur Ausstellung "Stimmen des Mutes - ukrainische Persönlichkeiten" ein. Ein ökumenisches Nachtgebet mit dem katholischen Priester Michael Münzner und der evangelischen Pfarrerin Svenja Sasse fand in der Martin-Luther-Kirche statt.
Eine Nacht für Groß und Klein
In Linz wurde der Mariendom am Freitagnachmittag zum Kinderdom - mit einem abwechslungsreichen Programm für Familien. Mut zum Erinnern machte auf dem Domplatz ein großes Herz aus roten Rosen. Alle Interessierten waren eingeladen, sich Zeit zum Innehalten, Gedenken und Erinnern zu nehmen. Wer wollte, konnte eine persönliche Erinnerung auf ein Kärtchen schreiben, es auf eine Rose binden und die Rose in das vorbereitete "Blumenbeet" vor dem Rosenherz stecken. Viele Besucher, unter anderem Bischof Scheuer, nutzen diese Möglichkeit. Gemeinsam gestalteten sie ein Symbol für Mut zur Trauer um einen geliebten Menschen, Mut zum Erinnern und Mut zum Neubeginn.
Die Lange Nacht der Kirchen war auch ein Fest für alle Sinne. Der musikalische Klangbogen spannte sich von Chor- und Sologesang über Orgel- und Instrumentalmusik bis hin zu Tango, Dialektpop, Wienerlied und Folk. In der Stadtpfarrkirche Linz verwandelte das Improtheater Wagner & Co spontane Zurufe aus dem Publikum in virtuos improvisierte Szenen und Songs. Eine Luftakrobatikshow von "Wolke sieben" brachte die Besucher:innen in der Jugendkirche Grüner Anker zum Staunen.
Neben Musikalischem und Spirituellem gab es etwa auch eine Licht-Laser-Musik-Show in Maria Schnee in Leopoldschlag. Bei einem Besuch der Stiftsbibliothek in St. Florian konnten Interessierte ausgewählte mittelalterliche Handschriften bestaunen. Zum musikalischen Kirchenkabarett mit Gedanken über Gott und die Welt lud Ursi Einheller in der Stadtpfarrkirche Steyr ein. Eine Zaubershow für Jung und Alt wurde Besuchern in Lenzing geboten. Den Dachboden der Basilika erkunden konnten Neugierige bei Führungen in Mondsee. Und "Escape the Vatican" hieß es in St. Georgen im Attergau für Jugendliche bei einem Escape-Abenteuer.