Kooperation mit Initiative "Runde & eckige Tische" brachte Menschen aus unterschiedlichen sozialen Kontexten u.a. im Wiener Erzbischöflichen Palais ins Gespräch - Auch Erzbischof Grünwidl und Bischöfin Richter nahmen teil - Grünwidl: "Es braucht Mut zum Dialog, zur Begegnung und zum Miteinander" - Politiker von KPÖ bis FPÖ im Figlhaus versammelt
Wien/Innsbruck, 29.05.2026 (KAP) Ein sichtbares Zeichen für Begegnung, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt hat die "Lange Nacht der Kirchen" am Freitag gesetzt: In Kooperation mit der zivilgesellschaftlichen Initiative "Österreich der runden & eckigen Tische" wurden an mehreren Orten Abendessen organisiert, um Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen zusammen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Schauplätze der Begegnungen waren etwa das Innsbrucker Bischofshaus und das Erzbischöfliche Palais in Wien, wo sich auch der katholische Erzbischof Josef Grünwidl und die evangelische Bischöfin Cornelia Richter unter die Teilnehmer mischten. Das Programm der gesamten, von den christlichen Kirchen in Österreich mitgetragenen "Langen Nacht" stand heuer unter dem Motto "MUTeinander".
"Es braucht Mut zum Dialog, es braucht Mut zur Begegnung und zum Miteinander", sagte Erzbischof Grünwidl am Rande des Dialogabends im Hof des Wiener Erzbischöflichen Palais im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress. Die Aktion mit den runden und eckigen Tischen, wo es auch ums Zuhören gehe und darum, die Meinung eines anderen Menschen kennenzulernen und diese auch zu akzeptieren, könne "ein guter Weg sein, um hier ein Stück weiterzukommen".
Wie Grünwidl betonte auch Bischöfin Richter, dass sie bei den Tischgesprächen auf alle Fälle "sehr viel zuhören" wolle. Viele Menschen fühlten sich angesichts der schwierigen Weltlage heute wie erschlagen. Sie wolle hier Zuversicht vermitteln, auch aus dem Glauben heraus. "Lasst euch nicht entmutigen!", rief Richter auf. In der Bibel stehe der Satz "Fürchte dich nicht!" so oft wie kein anderer Satz: "Man kann immer im Kleinen, hier und jetzt und Schritt für Schritt, etwas bewirken und das würde ich gerne weitergeben", sagte die evangelische Bischöfin im Gespräch mit Kathpress.
Es gehe darum, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die mit denen normalerweise nicht ganz selbstverständlich an einem Tisch sitze, erläuterte der Österreich-Koordinator der "Langen Nacht der Kirchen", Markus Pories. Man könne sich einlassen auf andere Menschen, die "vielleicht ganz anders sind als ich" und dabei auch "Mutgeschichten" austauschen.
Von KPÖ bis FPÖ
Ein weiteres der ungewöhnlichen Abendessen fand am Standort der Dialog-Akademie im Wiener "Figlhaus" statt: Politikerinnen und Politiker von KPÖ bis FPÖ kamen zu einem dreigängigen Menü zusammen - nicht nach Parteifarben sortiert, sondern an den Tischen bewusst gemischt. Jeder eingeladene Politiker sollte einen Gast aus einer anderen Partei mitbringen.
"Österreich braucht dringend eine neue politische Kultur der Begegnung - jenseits von Parteigrenzen, von Mensch zu Mensch und von Herz zu Herz", erklärten Otto Neubauer und Michael Frey, Leiter der Dialog-Akademie und Initiatoren der "Runden & eckigen Tische" gegenüber Kathpress: "Vorbild und Ansporn der gesamten Initiative sind die Tischgemeinschaften Jesu, weil er alle eingeladen hatte und bei allen zu Gast war - und damit trotz scheinbar unüberwindbarer Grenzen Gemeinschaft gestiftet hat."
Priester servieren das Essen
Im "Figlhaus" entstanden so am Freitagabend Begegnungen, die auch im politischen Alltag selten sind. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte, dass katholische und evangelische Priester das Essen servierten. Inspiriert vom Beispiel Jesu bei der Fußwaschung wollten sie ein Zeichen für Demut, Versöhnung und gelebtes Miteinander setzen.
Grundidee von "Österreich der runden & eckigen Tische" ist, als Gastgeber oder Gastgeberin Menschen mit unterschiedlichen Denkweisen, Lebensstilen oder politischen Meinungen zum Essen an einen Tisch einzuladen - im privaten Rahmen selbstständig organisiert oder auch von Sportvereinen, Pfarren, Tourismusvereinen und gesellschaftspolitischen Organisationen. Mehr als 300 solcher Veranstaltungen wurden seit dem Start der Initiative vor rund drei Jahren bereits organisiert. Eine Kooperation besteht auch mit der kirchlichen Dialoginitiative für junge Erwachsene, "Denk Dich Neu".
"Pasta per Tutti" in Innsbruck
In der "Langen Nacht der Kirchen" gab es das Dialogformat unter anderem auch in der Wiener Donaucitykirche oder in St. Martin an der Raab im Burgenland. "Schauen Sie vorbei, teilen Sie eine Mahlzeit und kommen Sie miteinander ins Gespräch", hieß es außerdem in Innsbruck, wo Bischof Hermann Glettler das Bischofshaus für "Runde Tische und viel Raum für Begegnung" öffnete.
Unter dem Motto "Pasta per Tutti", konnten die Besucher Gemeinschaft bewusst erleben. Schon am 14. Juni wird unter demselben Motto auch der Innsbrucker Dom für ein "Franziskus-Mahl" geöffnet. Bei der Benefizveranstaltung werden laut Diözese Innsbruck rund 800 Gäste unterschiedlicher sozialer, kultureller und religiöser Herkunft zu einer Tischgemeinschaft zusammenkommen.