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Libanon (2) - Kirche überrascht Muslime mit christlicher Nächstenliebe

28.05.2026 10:40
Libanon/Kirche/Krieg/Soziales
Beirut, 28.05.2026 (KAP) Der Krieg im Libanon hat nach Beobachtung eines maronitischen Erzbischofs nicht nur neue Spannungen und Leid verursacht, sondern an manchen Orten auch unerwartete Begegnungen ermöglicht: Christen und schiitische Muslime seien sich inmitten von Flucht, Angst und Vertreibung nähergekommen. Viele Muslime seien von der Hilfsbereitschaft der Kirche positiv überrascht und berührt. Darauf hat Erzbischof Hanna Rahmé von der maronitischen Erzdiözese Baalbek-Deir El-Ahmar im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk "Kirche in Not" (ACN) hingewiesen.

"Die Gewalt, die sich anfangs gegen die Schiiten gerichtet hat, greift inzwischen auch auf Christen über", erklärte der Erzbischof. Noch immer würden Dörfer angegriffen und Menschen seien gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Zugleich habe die Krise jedoch Erfahrungen ermöglicht, die viele überrascht hätten.

Zum Hintergrund: Die Angriffe gegen Stellungen der schiitischen Hisbollah im Südlibanon ziehen immer mehr auch die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft. Betroffen sind Muslime und Christen, da es in der Region einige christlich geprägte Dörfer gibt. Durch die Rolle der schiitischen Hisbollah im Konflikt begegnen sich die Bevölkerungsgruppen teilweise mit Misstrauen.

Wie Rahmé berichtete, seien viele Christen überrascht gewesen, als schiitische Muslime sie um Hilfe baten. Dennoch habe die Kirche Hilfesuchende unabhängig von ihrer Herkunft oder Religionszugehörigkeit in Pfarrzentren und Privathäusern aufgenommen. "Wir alle wollen den Terrorismus beenden, aber nicht durch Gewalt", sagte der Erzbischof. Die internationale Gemeinschaft und die Vereinten Nationen seien aufgerufen, Wege des Dialogs zu fördern und zu begleiten.

Nach Einschätzung des Erzbischofs habe der Krieg vielen Menschen die besondere Rolle der Kirche neu vor Augen geführt. "Der Krieg hat vielen Menschen bewusst gemacht, dass es das Charisma der Kirche ist, zu Frieden und Zusammenleben aufzurufen, auch wenn andere Stimmen Gewalt propagieren."

(Spenden: Kirche in Not, IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600, Verwendungszweck: Libanon)
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