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Leo XIV. und Premier Sánchez: Viele Themen vor Papstreise

29.05.2026 12:12
Spanien/Papst/Regierung/Diplomatie/Kirche
Kurz vor dem Spanienbesuch des Papstes reiste der sozialistische Regierungschef in den Vatikan - Sánchez zeigte danach begeistert, doch zwischen Staat und Kirche in Spanien ist nicht alles eitel Sonnenschein - Hintergrundbericht von Manuel Meyer (KNA)
Madrid, 29.05.2026 (KAP/KNA) Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez überschlug sich am vergangenen Mittwoch nach seiner Audienz im Vatikan förmlich mit Lob für den Papst. "Seine Worte spornen uns an, die Menschenwürde zu verteidigen, die Schwächsten zu schützen und Hoffnung für eine Welt zu geben, die nach Frieden strebt", sagte Sánchez nach dem Treffen mit Leo XIV. in Rom.

Es diente zur Vorbereitung des Papstbesuchs in Spanien vom 6. bis 12. Juni, bei dem aus politischer Sicht vor allem Themen wie Migration, internationaler Frieden und Armutsbekämpfung im Mittelpunkt stehen. Ohne direkt den Ukraine-Krieg, den Gaza-Konflikt oder den Angriff der USA und Israels auf den Iran zu nennen, dankte Sánchez dem Papst, den Frieden mit Dialog und Diplomatie zu suchen.

"Frieden wird nicht mit Raketen, sondern mit Dialog und Achtung des Völkerrechts geschaffen", so der linke Regierungschef. Die Stimme Leos XIV. sei diesbezüglich "ein moralischer Kompass im Kampf gegen Ungerechtigkeit" und stelle die Vernunft dem Recht des Stärkeren entgegen. Sánchez applaudierte auch der neuen Sozialenzyklika "Magnifica humanitas" des Papstes über den Schutz des Menschen im Zeitalter Künstlicher Intelligenz und Leos Positionen in Migrationsfragen.

"So viel Lob ist Kirche nicht gewohnt"

So viel Lob sei die Kirche in Spanien nicht gewohnt, meint Javier Martín Merchán, Politologe an der Universität Pontificia Comillas in Madrid. Im Gegenteil: In den vergangenen beiden Legislaturperioden kam es immer wieder zum offenen Konflikt zwischen der sozialistischen Regierung und der Bischofskonferenz. Merchán sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Die Regierung liberalisierte Abtreibung und Sterbehilfe. Und vor allem setzte sie die Kirche bei der Entschädigung von Missbrauchsopfern unter enormen Druck".

Die Komplexität der Beziehungen spiegelt sich auch in der Rede wider, die der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Luis Argüello, im April zur Vollversammlung der Bischöfe hielt. Spanien sei zwar als Staat konfessionslos; die Regierung neige jedoch dazu, in anthropologischen Fragen wie Beginn und Ende des Lebens, Ehe, Familie und Sexualität selbst konfessionelle Positionen einzunehmen.

Und damit niemand seine Worte missverstehen konnte, fügte Argüello hinzu, die Regierung habe "auch einen konfessionellen Blick auf die Geschichte und einen selektiven Blick auf die Opfer". Er sprach sogar von einer Doppelmoral - und warf der linken Regierung vor, sich nur um Missbrauchsopfer im kirchlichen Bereich zu sorgen.

Streitfall Franco-Grab

Viele Bischöfe sind auch heute noch entrüstet, wie die Regierung bei der Neudeutung des "Tals der Gefallenen" bei Madrid vorging, das nun, rein geografisch, "Cuelgamuros" heißt. Sie sprechen von Versuchen, dem Ort, in dessen Basilika einst Diktator Francisco Franco bestattet war, seinen religiösen Charakter zu nehmen. Dabei wandte sich Präsidialamtsminister Félix Bolaños sogar direkt an den Vatikan, um den Druck auf Spaniens Bischöfe zu erhöhen.

Bei seinem Treffen mit Sánchez in der päpstlichen Nuntiatur in Madrid am 8. Juni wird Leo XIV. wohl auf die teils schwierigen Beziehungen von Staat und Kirche eingehen. Doch die Spannungen werden öffentlich nicht diskutiert, wenn der Papst die spanische Hauptstadt besucht, ist sich der Politologe Merchán sicher.

Bei seiner ebenfalls am 8. Juni vorgesehenen Rede vor dem Parlament und zuvor beim Treffen mit Monarch Felipe VI. am 6. Juni im Madrider Königspalast dürfte Leo XIV. vor allem über soziale Konflikte, das Migrationsdrama und die Verteidigung der Menschenwürde sprechen. Er wird wahrscheinlich einen Appell an den Frieden in einer zunehmend fragmentierten Welt aussenden.

Im Fadenkreuz von Donald Trump

Hier liegen der Vatikan und Spaniens Linksregierung zweifellos auf der gleichen Linie. Die jüngsten Massenlegalisierungen von illegal im Land lebenden Migranten hatten ihren Ursprung sogar in einem von der Kirche vorangetriebenen Volksbegehren. Sánchez - wie auch der Papst - gehören in Europa zu den vehementesten Kritikern der Migrationspolitik und des militärischen Vorgehens der USA in der Welt und stehen deshalb beide im Fadenkreuz von US-Präsident Donald Trump.

Unterdessen befürchten Spaniens konservative und rechtspopulistische Oppositionsparteien, Sánchez werde den Einklang mit dem Papst in diesen Bereichen nutzen, nicht nur um von den Korruptionsfällen in seinem Umfeld abzulenken, sondern auch seine teils polemische Politik zu rechtfertigen.

Vor allem die rechtspopulistische Vox-Partei, Spaniens drittstärkste Formation im Parlament, scheut nicht davor zurück, auch den Papst und Spaniens Bischöfe zu kritisieren. Man werde Leo XIV. im Parlament aufmerksam zuhören, stimme aber in keiner Weise mit seiner Willkommenskultur für Migranten überein.

Keine "Priorität für Spanier"

Nachdem die Bischöfe die von Vox geforderte "Priorität für Spanier" bei staatlichen Unterstützungen kritisierten, warf Vox-Chef Santiago Abascal den Bischöfen sogar vor, mit der Migration ein "Geschäft zu machen". Die Bischofskonferenz reagierte empört. Ihr Generalsekretär bezeichnete Abascals Aussagen als Verleumdung und betonte, die Kirche werde niemals eine Politik unterstützen, die Menschen ausschließe oder entmenschliche.

Für den linken Regierungschef Sánchez bringt der Papstbesuch allemal in vielerlei Hinsicht politische Vorteile. Dafür bricht er sogar mit seiner säkularen Tradition, an keiner religiösen Veranstaltung der katholischen Kirche teilzunehmen. So wird er am 10. Juni in der Sagrada Familia in Barcelona sein, wenn der Papst eine Gedenkmesse für Antoni Gaudi feiert und danach den zentralen Jesus-Christus-Turm der Basilika weiht.
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