Deutscher Experte Hartmann unterstützt Unternehmen bei Einführung von KI
Bonn/München, 27.05.2026 (KAP/KNA) Aus Sicht des KI-Experten Philipp Hartmann gibt der Papst mit seinem ersten Lehrschreiben zum Thema KI brauchbare Hinweise für die tägliche Praxis. "Leo XIV. bleibt nicht bei abstrakten Mahnungen, sondern arbeitet die Auswirkungen auf konkrete Lebensbereiche heraus", sagte er der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Als Director AI Strategy bei appliedAI unterstützt Hartmann Unternehmen bei der Einführung von KI.
Die Enzyklika liefere eine fundierte Beschreibung der Probleme, die durch KI entstehen könnten, mit einer "bemerkenswert ausgewogenen Grundhaltung". Sie sei alles andere als eine Anti-KI-Schrift und zeige konkret die Auswirkungen auf verschiedene Bereiche - von Arbeit über Medien und Bildung bis zur Kriegsführung.
Einsatz von KI ist niemals rein technisch
Die zentrale Aussage, der man aus der Praxis nur zustimmen könne, sei: "Der Einsatz von KI ist niemals eine rein technische Angelegenheit." Das sei exakt der Punkt, den er in Unternehmensprojekten immer wieder erlebe, ergänzte der Fachmann: "Eine KI-Einführung wird als IT-Projekt eingekauft, ist aber in Wahrheit eine Entscheidung über Prozesse, in denen es um Menschen geht: wer wo arbeitet, wem ein Kredit gewährt wird, wer eingestellt wird."
Er lobte das Menschenbild der Enzyklika, in der sich Leo XIV. entschieden gegen eine Logik wende, "die menschliche Defizite - Begrenztheit, Schwäche, Krankheit, Alter - als Mangel betrachtet, den die Technik beheben muss". Das sei eine wichtige Gegenposition zu einer Optimierungslogik, die oft im KI-Umfeld herrsche: "Wer den Menschen primär als zu optimierende Ressource sieht, wird KI zwangsläufig anders einsetzen als jemand, der den Wert des Menschen als vorausgesetzt betrachtet."
Frage der Bequemlichkeit
Aus Sicht der Praxis komme aber zu kurz, so Hartmann weiter, "dass viele der aufgezeigten Entwicklungen nicht zwangsläufig sind, sondern auch aus einer Bequemlichkeit heraus entstehen". Die Konzentration in wenigen Händen etwa entstehe auch dadurch, "dass europäische Unternehmen und Konsumenten lieber bequem bestehende Angebote nutzen, statt eigene Alternativen aufzubauen".
Zu wenig beachtet werde auch die Geschwindigkeit: "Wenn KI-Modelle sich in Monatszyklen weiterentwickeln und Regulierungsprozesse mehrere Jahre brauchen, ist jede Regulierung schon bei Inkrafttreten potenziell überholt." Die Enzyklika belasse es hier beim allgemeinen Aufruf, dass Politik präsenter sein müsse: "Wie diese Präsenz konkret organisiert werden kann, ohne Innovation zu ersticken oder hinterherzulaufen, bleibt offen - und das ist möglicherweise die schwierigste Aufgabe überhaupt."