Caritas-Expertin: Pfingsten in der Ukraine beginnt im Hauskeller
26.05.202613:36
Ukraine/Krieg/Hilfsorganisation/Pfingsten
Appell an Europas Menschlichkeit und Solidarität sowie Schilderungen aus dem Kriegsalltag bei Fernsehgottesdienst zum kirchlichen Hochfest
München/Kiew, 26.05.2026 (KAP) Mit eindringlichen Schilderungen aus dem Kriegsalltag in der Ukraine ist am Pfingstsonntag im vom ORF und ZDF übertragenen Fernsehgottesdienst aus Kaufbeuren im bayerischen Allgäu zu Solidarität und Menschlichkeit in Europa aufgerufen worden. Bei einer Dialogpredigt mit Pfarrer Thomas Schwartz, Leiter des deutschen Osteuropahilfswerks Renovabis, zog die ukrainische Caritas-Mitarbeiterin Olena Voichyk Parallelen zwischen dem biblischen Pfingstereignis und den Erfahrungen vieler Menschen im Krieg.
"Pfingsten in der Ukraine beginnt im Hauskeller", so die Leiterin der Projektabteilung der Caritas Spes Ukraine. Seit Jahren verbrächten viele ihrer Landsleute die Nächte in Schutzräumen. "Immer ist dabei eine Frage: Wer wird heute zum Opfer?" Dennoch versuchten die Menschen, ihren Alltag aufrechtzuerhalten und einander beizustehen. "Wir halten durch, halten zusammen: nicht weil wir stark sind, sondern weil wir einander haben." Voichyk schilderte das Beispiel einer Frau aus Charkiw, deren Haus zerstört und deren Mann gefallen sei. Trotzdem arbeite sie täglich in einer Caritas-Suppenküche mit. "Wenn ich aufhöre, höre ich auf zu leben", habe die Frau ihr erklärt.
Besonders in den "Blackout-Wintern" habe sich gezeigt, was Gemeinschaft bedeute. Wenn Strom und Heizung ausfielen, rückten Nachbarn zusammen, organisierten Generatoren, kochten gemeinsam und unterstützten einander. "Aus Fremden wird Gemeinschaft", sagte Voichyk .
Ähnliches erlebe sie auch in der Arbeit der Caritas: Pensionierte Lehrerinnen, Soldaten oder Studenten engagierten sich gemeinsam für andere. "Sie alle verbindet der Wille, das Menschliche zu bewahren. Das ist für mich der Heilige Geist. Ganz konkret." Die Caritas Spes helfe derzeit unter anderem durch Wiederaufbauprojekten in Frontnähe, ebenso mit Projekten für Binnenflüchtlinge in anderen Landesteilen. Unterstützt werde bei Wohnungen, Arbeitssuche und Kinderbetreuung. "Wir helfen überall dort, wo das Leben von Neuem beginnen muss", so die Expertin.
Nicht beim Hinschauen ermüden
Auf die Frage, was Menschen in Europa tun könnten, antwortete Voichyk mit einem Appell gegen Gleichgültigkeit. Jede Hilfe komme an, "jeder Euro, jedes Gebet". Besonders wichtig sei das Gefühl, nicht vergessen zu werden. Europa dürfe "nicht müde werden hinzuschauen". Die Menschen in der Ukraine wollten "nicht nur überleben", sondern ihr Land wiederaufbauen "und unseren Kindern zeigen, wie Frieden aussieht".
Nach Bayern mitgebracht hatte die Caritas-Expertin sogenannte Schützengrabenkerzen, die aus einfachen Materialien wie leeren Konservendosen, Wachs und Pappe in Handarbeit erzeugt werden. Den Soldatinnen und Soldaten brächten diese Kerzen "nicht nur Licht und Wärme, sondern auch die Überzeugung, dass ich nicht vergessen bin, dass jemand an mich denkt." Das sei sehr wichtig, so Voichyk.
Der Gottesdienst stand im Rahmen der Pfingstaktion des deutschen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis unter dem Leitwort "zusammen_wachsen. damit Europa menschlich bleibt". Die Initiative thematisiert gesellschaftliche Spaltungen, Kriegserfahrungen und den Einsatz kirchlicher Organisationen für Zusammenhalt und Solidarität in Europa.