Orthodoxer Theologe: Ostern als Weg zu neuem Leben
09.04.202613:39
(zuletzt bearbeitet am 09.04.2026 um 14:04 Uhr)
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Ökumene-Experte Oancea zum bevorstehenden orthodoxen Osterfest: "Österlich zu werden heißt offen zu sein für das, was kommt"
Salzburg, 09.04.2026 (KAP) Ostern ist in der orthodoxen Tradition weniger ein punktuelles Fest als vielmehr Ausdruck eines geistlichen Prozesses. Darauf hat der rumänisch-orthodoxe Theologe Dorin Oancea im Interview mit der steirischen Kirchenzeitung "Sonntagsblatt" hingewiesen. "Wie das Leben, so ist auch die Liturgie ein Weg", sagte der frühere Dekan der Fakultät für Orthodoxe Theologie in Sibiu. In der orthodoxen Kirche wird Ostern aufgrund der Berechnung nach dem sogenannten julianischen Kalender heuer erst am kommenden Sonntag, dem 12. April, gefeiert.
Die Feier der Osternacht beginnt bei den orthodoxen Christen um Mitternacht und dauert in der Regel bis vier oder fünf Uhr morgens. Inhaltlich steht der Sieg Christi über den Tod im Mittelpunkt. Die wiederkehrenden Gebete und Litaneien seien dabei nicht als bloße Wiederholung zu verstehen, betonte Oancea. "Die vielen Litaneien haben oft denselben Wortlaut, und dennoch sind sie keine Wiederholung - weil ich nicht derselbe bleibe", erklärte der Theologe. Jeder mitgefeierte Moment sei ein Schritt "zu Gott, den Menschen und zur Welt".
Mit rund 17 Millionen Mitgliedern ist die rumänisch-orthodoxe Kirche nach der russisch-orthodoxen die zweitgrößte orthodoxe eigenständige (autokephale) Kirche weltweit. In der Orthodoxie allgemein sei auch die Fastenzeit von großer Bedeutung und werde weit mehr eingehalten als in westlichen Kirchen, in der Regel streng vegetarisch, wie Oancea sagte. Sie diene der inneren Vorbereitung auf das Osterfest und ist von symbolischen Elementen geprägt, etwa dem Fisch als frühchristlichem Erkennungszeichen. Ziel sei es, sich bewusster auf die Gemeinschaft mit Christus auszurichten.
Orientierung und Hoffnung bewahren
Geprägt wurde das Glaubensverständnis des 1949 geborenen Theologen auch durch die Zeit des kommunistischen Regimes in Rumänien. Kirchliches Leben war damals eingeschränkt, religiöse Praxis vielfach nur im privaten Rahmen möglich, kirchliche Trauungsfeiern etwa hätten zuhause stattgefunden mit nur wenigen Gästen. Oanceas Vater, ein Priester, wurde wegen karitativer Tätigkeit verhaftet und verbrachte Jahre in Haft. Dennoch sei der Glaube lebendig geblieben, oft im Verborgenen. Gottesdienste seien selbst unter schwierigen Bedingungen gefeiert worden.
Vor diesem Hintergrund erhält Ostern für Oancea eine persönliche Dimension. Es stehe für das Ende eines Weges und zugleich für einen Neuanfang. "Ein österlicher Mensch zu werden, heißt für mich, offen zu sein für das, was kommt", sagte er. Glaube bedeute dabei auch, im Alltag mit der Gegenwart Gottes zu rechnen: "Wenn ich auf der Straße gehe, dann gehe ich im Bewusstsein, dem Herrn zu begegnen." Wenn es gelinge, immer "anzunehmen, was einem geschenkt wird", könne man auch unter schwierigen Bedingungen Orientierung und Hoffnung bewahren.