Kriegshandlungen bremsen Transport von Hilfsgütern
New York/Genf, 04.03.2026 (KAP/KNA) Die Kriegshandlungen im Nahen Osten bedrohen laut dem UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Tom Fletcher, zusehends das System internationaler Hilfe. Er habe Notfallpläne für den Iran und die weitere Region aktiviert, sagte Fletcher laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) in New York. Man beobachte Dominoeffekte beim humanitären Bedarf in anderen Ländern, unter anderem in Afghanistan und Pakistan mit Millionen Unterversorgten und erschöpften Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen. Auch die Reaktionsfähigkeit der internationalen Nothilfe einschließlich der Personalrotation werde durch Luftraumsperrungen behindert, so der Chef des Büros für Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA).
Die Eskalation wirke sich laut Fletcher unmittelbar auf Hilfsoperationen etwa im Gazastreifen, im Libanon oder im Jemen aus. So gelangten lebensnotwendige Güter nur vermindert in den Gazastreifen, die Verlegung von Patienten in Kliniken außerhalb von Gaza sei wieder eingestellt. Hilfsflüge der Vereinten Nationen im Jemen sind laut OCHA eingestellt. Wenn Energielieferungen und Schiffsrouten wie im Persischen Golf weiter unterbrochen blieben, brächten Preisanstiege neben der Versorgung von importabhängigen Ländern auch die Gesundheitssysteme unter Druck, warnte Fletcher.
"Zu viele Warnlichter blinken"
Das UN-System baue Vorräte auf und suche alternative Versorgungswege. Derweil dauerten andere Krisen wie im Sudan, im Kongo und in der Ukraine fort. Allgemein machten Angriffe auf zivile Infrastruktur, Zugangsbeschränkungen und eine Politisierung von Hilfe die humanitäre Arbeit schwerer. "Zu viele Warnlichter blinken", sagte Fletcher.
Zuvor hatte bereits der Regionaldirektor des Welternährungsprogramms WFP Samer Abdeljaber, am Dienstag in Genf davor gewarnt, dass die humanitären Lieferketten durch die Behinderungen der Schifffahrt, aber auch gesperrte Lufträume, zunehmend unter Druck geraten. Abdeljaber verwies auf Risiken für Schiffe in der Straße von Hormus und drohende Angriffe im Roten Meer. Die Störungen führten zu höheren Transportkosten, längeren Lieferzeiten und einer geringeren Containerverfügbarkeit. Die Beschränkungen im Luftverkehr sorgten für Probleme beim Austausch der Crews und erschwerten Einsätze.
Das von den Vereinten Nationen getragene WFP ist mit seinem Transportnetz und seinen technischen Möglichkeiten einer der wichtigsten Akteure der Nothilfe weltweit. Das Welternährungsprogramm und Partnerorganisationen versuchten sich der Situation anzupassen, etwa durch die Nutzung von Transitrouten in der Türkei, Ägypten, Jordanien und Pakistan sowie Landkorridoren zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Levante, so Adeljaber. Wichtig seien auch die Häfen in Ägypten und der Suezkanal; beide stellten Knotenpunkte für die Region dar.
Auch Caritas warnt
Auch Caritas Österreich warnte zuletzt davor, dass die eskalierenden Kampfhandlungen im Nahen Osten die humanitäre Lage in der Region dramatisch verschärfen. Millionen Menschen würden zunehmend in akute Not geraten. "Flucht, Angst und massive Versorgungsengpässe drohen zum Alltag zu werden", so Caritas-Vizepräsident Alexander Bodmann in einer Aussendung am Dienstag. Ohne Diplomatie gebe es keinen Schutz für die Menschen vor Ort. "Österreich und die Europäische Union müssen jetzt alle diplomatischen Möglichkeiten nutzen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Nur wenn die Waffen schweigen, kann humanitäre Hilfe sicher geleistet und ausgeweitet werden", betonte Bodmann.