In seiner Rede feiert sich der US-Präsident als Erwecker des christlichen Glaubens in den USA - Langsam wächst jedoch innerhalb der katholischen Kirche der Widerstand - Von Tobias Käufer
Washington, 25.02.2026 (KAP/KNA) Amerika glaubt wieder stärker an Gott - davon ist zumindest Donald Trump überzeugt. Der US-Präsident sprach in seiner Rede zur Lage der Nation am Dienstag von einer starken Zunahme des christlichen Glaubens in den Vereinigten Staaten. Und er wäre nicht Donald Trump, würde er diese behauptete Entwicklung nicht für sich beanspruchen: "Ich bin sehr stolz darauf, sagen zu können, dass es während meiner Amtszeit, sowohl in den ersten vier Jahren als auch insbesondere im vergangenen Jahr, eine enorme Erneuerung in Bezug auf Religion, Glauben, Christentum und den Glauben an Gott gegeben hat."
Trump unterstrich dabei die Rolle des konservativen Influencers Charlie Kirk, der im September bei einer Diskussionsveranstaltung von einem mutmaßlich linksextremen Attentäter getötet wurde. Die "enorme Erneuerung" gelte insbesondere für junge Menschen, so das Staatsoberhaupt. "Und ein großer Teil davon ist meinem guten Freund Charlie Kirk zu verdanken. Ein großartiger Kerl, ein großartiger Mann." Dieser sei brutal ermordet und wegen seines Glaubens zum Märtyrer geworden. Während die republikanischen Abgeordneten begeistert klatschten, blieb es auf den Sitzen der Demokraten deutlich ruhiger. Im linken Lager galt Kirk wegen seiner bisweilen erzkonservativen Positionen als Reizfigur.
Auf der Tribüne saß Witwe Erika Kirk, die das Werk ihres Mannes fortsetzt. Sie habe viel durchgemacht, sagte Trump. "In Gedenken an Charlie müssen wir alle zusammenkommen, um zu bekräftigen, dass Amerika eine Nation unter Gott ist. Und wir müssen jede Art von politischer Gewalt vollständig ablehnen", forderte er. "Wir lieben die Religion, und wir lieben es, sie zurückzubringen, und sie kehrt in einem Ausmaß zurück, das niemand für möglich gehalten hätte. Es ist wirklich schön, das zu sehen."
ICE-Vorgehen verärgert Christen zunehmend
Mit dem Auftreten von Erika Kirk und der Betonung einer Erneuerung des Glaubens richtete sich Trump einmal mehr gezielt an den christlichen Teil der US-Wählerschaft. Vor allem die Evangelikalen, aber auch ein Großteil der Katholiken stimmte für ihn. Doch bei vielen Christen rumort es mittlerweile. Zuletzt gingen katholische Kirchenvertreter vermehrt auf Distanz zu Trump. Die rabiate Vorgehensweise der Migrationsbehörde ICE kommt in den Kirchengemeinden nicht gut an. Weil die Beamten auch im Umfeld von Gottesdiensten auftauchten, um illegal eingereiste Migranten festzunehmen, ergriffen die Bischöfe das Wort.
Kardinal Timothy Dolan kritisierte das Vorgehen jüngst in einem Interview als Verletzung der Religionsfreiheit. Er sei sehr besorgt gewesen, als die ICE-Behörde begonnen habe, Kirchen ins Visier zu nehmen, um nach Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung zu fahnden. Gläubige hätten das Recht, ungestört die Messe zu besuchen, so der emeritierte Erzbischof von New York. Das müsse die Regierung respektieren.
Auch US-Vizepräsident James David Vance müsse man in manchen Punkten widersprechen, fügte Dolan hinzu. Der Vorwurf des Katholiken Vance, die US-Bischöfe seien aus finanziellen Gründen pro Einwanderung, wies der Kardinal als Rufschädigung zurück, auch wenn Vance sich dafür entschuldigt habe. Für respektabel halte er dagegen die konservativen Ansichten des Trump-Vizes zu Familie, Kindern und Patriotismus.
Nicht nur an der Kirchenspitze gibt es Unbehagen über den Kurs der Regierung. In Städten wie Miami organisierten sich in den vergangenen Wochen kirchliche Gruppen, um bei Protestmärschen gegen die Abschiebepolitik des Präsidenten zu demonstrieren. Davon besonders betroffen sind lateinamerikanische Einwanderer. Und die haben ihre Meinung gegenüber Trump offenbar deutlich geändert. Unter den Latino-Wählern ist die Zustimmung laut einer am Dienstag von CNN veröffentlichten Umfrage von 41 Prozent im vergangenen Februar auf jetzt 22 Prozent eingebrochen.