Kardinal Brandmüller ruft zu liturgischem Waffenstillstand auf
25.02.202611:43
Italien/Kirche/Gottesdienst/Brandmüller
Brandmüller in Blog "Diakonos": Streit um die Messe gefährdet die Einheit der Kirche
Rom, 25.02.2026 (KAP) Kardinal Walter Brandmüller hat ein Ende der liturgischen Grabenkämpfe in der Kirche gefordert. In einem Beitrag, den der Blog "Diakonos" veröffentlicht hat, plädiert der deutsche Kurienkardinal für einen Waffenstillstand "an der liturgischen Front", sowie für eine Rückkehr zu Sachlichkeit und gegenseitigem Respekt in der Kirche. Die Spaltung in der Kirche gehe nicht auf die Konzilskonstitution zur Liturgie zurück, sondern auf deren Umsetzung. Brandmüller schreibt, der Streit entzünde sich weniger an Dogmen als an Riten, Gebräuchen und Formen der Frömmigkeit.
Brandmüller kritisiert sowohl liturgische Experimente nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) als auch die Verweigerung jeder Weiterentwicklung bei Anhängern der sogenannten "Alten Messe", die vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gefeiert wurde. Brandmüller schreibt: "In Wahrheit reduziert sich die einzige wirkliche 'Messe aller Zeiten' auf die Worte der Konsekration", während sich der Ritus im Laufe der Jahrhunderte in Ost und West in unterschiedlichen Formen entwickelt habe.
Zugleich betont der Kardinal die Verbindlichkeit der kirchlichen Normen. Die nachkonziliare Messe sei vom Papst eingeführt und verbindlich festgelegt worden. Sie "musste trotz berechtigter Kritik in Gehorsam angenommen werden", so Brandmüller. Liturgische Experimente gefährdeten dagegen die Einheit der Liturgie und damit die Einheit des Glaubens. Sein Appell: die Sprache im Streit um die Messe entwaffnen, Polemik vermeiden und auf gegenseitige Anschuldigungen verzichten. Traditionalisten und Progressive müssten eine Liturgie sicherstellen, "die ihre jeweiligen Normen genau beachtet". Bis zu einer möglichen "Reform der Reform" gelte daher vor allem eines: "Legt die Waffen nieder!"
Walter Brandmüller wurde 1929 in Ansbach geboren, 1953 zum Priester geweiht und ist mit 97 Jahren der älteste deutsche Kurienkardinal. Der promovierte Kirchenhistoriker machte sich vor allem mit Forschungen zu den Konzilien des späten Mittelalters einen Namen und wurde 1971 Professor für Kirchengeschichte. 1998 berief Papst Johannes Paul II. ihn zum Präsidenten des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, ein Amt, das er bis 2009 ausübte.
Zum Kardinal erhob ihn Papst Benedikt XVI. im Jahr 2010, als Brandmüller bereits 81 Jahre alt war. In Rom gilt er bis heute als profiliert-konservativer Kirchenmann und scharfer Kritiker reformorientierter Entwicklungen im Pontifikat von Papst Franziskus.