57 Verhaftungen wegen religiöser Aktivitäten, Trend zu immer schärferen Strafen - Behörden diffamieren Christen oft als Sicherheitsrisiko, "zionistische Agenten" und "Feinde des Irans"
Teheran, 25.02.2026 (KAP) Im Iran hat sich die Zahl der Festnahmen von Christen wegen ihres Glaubens oder religiöser Aktivitäten im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Das geht aus dem Bericht "Scapegoats" ("Sündenböcke") hervor, den die Menschenrechtsorganisationen Open Doors, Article18, Christian Solidarity Worldwide (CSW) und Middle East Concern am Dienstag veröffentlicht haben.
Demnach wurden 2025 im Iran deutlich mehr Christen inhaftiert als 2024. Während im Jahr davor 25 Betroffene Haft, Exil oder Zwangsarbeit verbüßten, waren es zuletzt 57. Obwohl mit 73 Verurteilungen weniger Christen schuldig gesprochen wurden als 2024 (96), fiel das Gesamtstrafmaß höher aus: 280 Jahre Haft gegenüber 263 Jahren im Jahr zuvor. Mindestens elf Christen erhielten Strafen von zehn Jahren oder mehr.
Der Bericht beschreibt zudem eine stärkere Beteiligung der Islamischen Revolutionsgarde an Verhaftungen, gezielte Maßnahmen gegen die Verbreitung von Bibeln sowie Misshandlungen in Haft. Die Behörden stellten Christen zunehmend als Sicherheitsrisiko dar, insbesondere nach dem zwölftägigen Krieg mit Israel. Evangelikale Christen seien als "Söldner des Mossad" oder "zionistische Agenten" diffamiert worden. Zudem werde bereits das gemeinsame Beten in Hauskirchen als Akt zivilen Ungehorsams aufgefasst.
"Das derzeitige Regime versucht, Minderheiten als Feinde des Iran darzustellen", erklärte Steve Dew-Jones von Article18. Die Rhetorik habe sich weiter verschärft. Zugleich hätten sich Christen trotz der Repressionen an den jüngsten landesweiten Protesten beteiligt. Nach Angaben der Organisationen wurden mindestens 19 Christen bei den jüngsten Unruhen getötet, mögliche weitere Fälle würden geprüft.
Der Bericht fordert die bedingungslose Freilassung inhaftierter Christen und die Wiedereröffnung geschlossener Kirchen. Die Frage, wo persischsprachige Christen frei in ihrer Muttersprache Gottesdienst feiern können, ohne Angst vor Verhaftung und Strafverfolgung haben zu müssen, brauche eine Klärung. Zudem solle die internationale Gemeinschaft Teheran zur Einhaltung der Religionsfreiheit verpflichten und iranischen Christen in Asylverfahren angemessenen Schutz gewähren.
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