EU-Spitzen, Politiker, Caritas-Vertreter und Apostolischer Nuntius gedenken der Opfer und bezeichnen Kriegssituation als "Glaubensprüfung"
Kiew, 25.02.2026 (KAP) Mit Gebeten in der Sophienkathedrale und im Parlament, einer gemeinsamen Erklärung der Religionsgemeinschaften und einer Gedenkfeier kirchlicher Hilfswerke ist in Kiew am Dienstag (24. Februar) des vierten Jahrestags der russischen Großinvasion gedacht worden. Im Zentrum standen Bitten um einen gerechten Frieden, Dank an die Verteidiger des Landes und scharfe Worte gegen die Ideologie des "Russkiy mir" ("Russischer Friede").
In der Sophienkathedrale hatten sich europäische Staats- und Regierungschefs gemeinsam mit dem Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU), Metropolit Epiphanij, versammelt. Zugegen waren in dem Kiewer Wahrzeichen unter anderem Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa, das finnische Staatsoberhaupt Alexander Stubb und die Regierungschefs von Dänemark, Estland, Island, Lettland, Norwegen, Kroatien und Schweden.
Kurz darauf beteten im Plenarsaal des Parlaments Vertreter verschiedener Konfessionen gemeinsam mit Abgeordneten, Regierungsvertretern und internationalen Delegationen für "den Sieg der Ukraine, einen gerechten Frieden sowie die Rückkehr aller Gefangenen und verschleppten Kinder". Auch hier leitete Metropolit Epiphanij die Feier und verlas gemeinsam mit dem römisch-katholischen Bischof Vitalij Kryvyzkyj und dem evangelikalen Bischof Anatolij Kozachok Fürbitten. Dabei erklang der geistliche Hymnus "Bozhe Velykyi Yedynyi".
Zum Jahrestag hatte der ukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen (UCCRO) zu einem landesweiten Gebetstag aufgerufen. In seiner Erklärung verurteilte das Gremium die russische Aggression als "Verstoß gegen internationale Normen" und beklagte tausendfachen Tod, Religionsverfolgung in besetzten Gebieten sowie die Verschleppung ukrainischer Kinder. Zugleich forderte der Rat die Kirchen in aller Welt auf, die Ideologie des "russischen Friedens" klar zu verurteilen, da sie eine "heilige Kriegführung" rechtfertige.
Hilfswerke gedenken der Opfer
Eine Gedenkfeier veranstalteten auch die beiden kirchlichen Hilfswerke Caritas-Spes Ukraine und Caritas Ukraine. In der griechisch-katholischen Auferstehungs-Kathedrale gedachten Geistliche, Helfer und internationale Partner, die teils über Livestream zugeschaltet waren, der Opfer. Vertreter von Caritas Internationalis und Caritas Europa würdigten den Einsatz ukrainischer Sozialarbeiter und Freiwilliger.
Der Exekutivdirektor von Caritas-Spes, P. Viacheslav Hrynevych, schilderte eindringliche Bilder aus vier Kriegsjahren. Besonders traurige Augen habe er gesehen. Er sprach von "dem Kind, das in einer Metrostation in Charkiw geboren wurde", und von einer Großmutter an der Grenze, "aus ihrem Zuhause entwurzelt, nicht wissend, wohin ihr Blick gehen soll".
Zugegen war auch der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, der bei dem Gedenken vor der Versuchung warnte, angesichts des schon fünften Winters seit der Invasion und des zwölften Kriegsjahres seit Beginn des Konflikts im Osten des Landes zu glauben, Gebete um Frieden trügen keine Frucht. Die Situation sei eine "Glaubensprüfung", die Gott der Ukraine für eine unbestimmte Zeit auferlegt habe, in der es standhaft und beharrlich im Gebet fortzufahren gelte.
In einer Stellungnahme zum Jahrestag fand Kubolkas zudem deutliche Worte gegen den Krieg. "Jeder Krieg ist Sünde - sowohl vor Gott als auch vor den Menschen. Die Ermordung eines einzigen Menschen ist bereits die Ermordung der Menschheit", sagte er. Zugleich betonte er, Gebet allein genüge nicht, vielmehr sei "Arbeit auf allen Ebenen" vonnöten. Dennoch könne Gott "Gedanken verändern", selbst beim Gegner.
Schewtschuk: Pflicht zur Verteidigung
Parallel dazu leitete das Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, in der byzantinischen Kathedralkirche der heiligen Märtyrer Sergius und Bacchus in Rom ein Friedensgebet. Er erinnerte an den Morgen des 24. Februar 2022: "Wir sahen Kiew in Flammen." Die Erinnerung an "Tragödie und Heldentum" sei heute Gesetz für das Handeln: "Dieses Gesetz befiehlt uns, unsere Heimat zu verteidigen."