Schweiz: Medienbischof warnt vor Halbierung von Rundfunkbudget
25.02.202607:39
Schweiz/Medien/Gesellschaft/Politik/Kirche
Basler Weihbischof Stübi und Bischofskonferenz-Fachstelle "Vox Ethica" lehnen "Halbierungsinitiative" ab
Zürich, 25.02.2026 (KAP) Der Medienbischof der katholischen Schweizer Bischofskonferenz lehnt das aktuelle Volksbegehren zur Halbierung der Gebühren für die Schweizer Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG ab. Er befürchte durch drohende Einsparungen die Verdrängung religiöser und ethisch-philosophischer Sendungsformate sowie von Gottesdienstübertragungen aus den öffentlich-rechtlichen Medien, erklärte der Basler Weihbischof Josef Stübi im Vorfeld der für 8. März geplanten Abstimmung über die sogenannte "Halbierungsinitiative".
"Demokratie lebt von Möglichkeiten der Meinungsbildung und des öffentlichen Diskurses. Dazu ist Platz für Meinungsvielfalt, vornehmlich auch in den öffentlich-rechtlichen Medien, von großer Bedeutung", sagte Stübi dem katholischen Online-Portal "kath.ch". Auch dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass es mit Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch in der Schweiz vier offizielle Landessprachen gibt, deren ausgewogene Präsenz garantiert werden müsse, fügte der Medienbischof hinzu.
Die Volksinitiative zielt darauf ab, die Radio- und Fernsehgebühren in der Schweiz für Haushalte von derzeit 335 Franken (367 Euro) auf 200 Franken (219 Euro) pro Jahr zu senken und alle Unternehmen von der Gebührenpflicht zu befreien. Schätzungen gehen davon aus, dass die SRG damit rund die Hälfte der Einnahmen verlieren würde.
"Vox Ethica", die Dienststelle für Ethik und Gesellschaft der Schweizer Bischofskonferenz, warnte bereits im Jänner vor "verheerenden Folgen" für den Zugang der Bevölkerung zu qualitativ hochwertigen Informationen und der Gefährdung tausender Arbeitsplätze. "Die Fähigkeit der SRG und der lokalen Fernseh- und Radiosendern, ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen, wäre stark gefährdet", so die Stellungnahme.
Die öffentlich-rechtlichen Sender der SRG böten einem breiten Publikum unter anderem auch einen privilegierten Zugang zu Inhalten zu Themen rund um Religion und Spiritualität. Im Fall einer Annahme der Initiative und durch die damit verbundenen Umstrukturierungen und Budgetkürzungen bestünde eine hohe Wahrscheinlichkeit, "dass religiöse oder ethische Inhalte, sowie solche mit Bezug zur Spiritualität, aus den öffentlich-rechtlichen Medien verdrängt werden oder sogar ganz verschwinden", so "Vox Ethica".
Die Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz unterstützt die Empfehlungen von Regierung und Parlament: Bis 2029 soll es eine Senkung der Gebühr auf 300 Franken (329 Euro) geben und die Befreiung von 80 Prozent der Schweizer Unternehmen.