Fastenhirtenbrief des griechisch-orthodoxen Metropoliten: Fasten ist keine Verneinung der Welt, sondern Befreiung von Abhängigkeit
Wien, 24.02.2026 (KAP) In der Orthodoxen Kirche hat am Montag die Fastenzeit begonnen. In seinem Fastenhirtenbrief bezeichnet Metropolit Arsenios (Kardamakis) diese als "Zeit der Freiheit" - Freiheit aber nicht so verstanden, dass das Leben dadurch oberflächlich betrachtet einfacher wird, "sondern weil es wahrhaftiger wird". Der Mensch, der diesen Weg beschreite, entdecke allmählich, "dass sein Herz sich weitet und fähig wird, Gott und den Nächsten zu umfassen." Am Ende dieses Weges stehe nicht der Mangel, sondern die Auferstehung, denn die Fastenzeit habe keinen Sinn in sich selbst: "Sie ist der Weg, der zu Ostern führt. Sie ist der Gang durch das Kreuz zum Leben", so Metropolit Arsenios.
Die Fastenzeit eröffne den Weg von der Selbstgenügsamkeit zur Gemeinschaft, von der Illusion der Fülle zur Demut der Suche. Denn: "Nur wenn der Mensch seine Armut akzeptiert, kann er die Fülle Gottes empfangen." Der Metropolit spricht in seinem Hirtenbrief auch das zunehmende gesellschaftliche Problem der Vereinsamung an und hebt es zugleich auf eine höhere Ebene: Der Mensch, geschaffen zur Gemeinschaft, habe sich daran gewöhnt, "als verschlossene Einheit zu leben, aus Angst vor der Liebe, denn die Liebe erfordert Ausgang und Hingabe".
Das Fasten sei in seiner tiefsten Bedeutung keine Verneinung der Welt, sondern Befreiung von der Abhängigkeit. "Der Mensch, der fastet, lernt, sich nicht der Notwendigkeit zu unterwerfen, und entdeckt, dass sein Leben nicht darauf gründet, was er besitzt, sondern auf dem, wen er liebt", so der Metropolit. Ebenso sei das Gebet keine religiöse Pflicht, sondern "der Atem der Seele". Arsenios: "Im Gebet hört der Mensch auf, das Zentrum der Welt zu sein, und wird zum Empfänger der göttlichen Gegenwart. Und dann entdeckt er, dass das wahre Leben nicht Selbstbestätigung ist, sondern Gemeinschaft."
Orthodoxe Fastenzeit
Die vorösterliche Fastenzeit dauert in der Orthodoxen Kirche zwei Tage länger als in der Katholischen. Sie beginnt nicht mit dem Aschermittwoch, den es in dieser Form nicht gibt, sondern mit dem sogenannten "Reinen Montag" (heuer am 23. Februar). Der "Reine Montag" ist gemeinsam mit dem Karfreitag für orthodoxe Gläubige der wichtigste Fasttag des Jahres. Auf die ersten 40 Tage des "Großen Fastens" folgen der Lazarus-Samstag, der Palmsonntag und die Karwoche.
Ostern wird in den orthodoxen Kirchen heuer am 12. April und damit eine Woche später als in den Kirchen der westlichen Tradition gefeiert. Der unterschiedliche Ostertermin, von dem sich auch die Fastenzeit bestimmt, geht auf verschiedene Berechnungsarten zurück. So bestimmen die Ostkirchen den Ostertermin nach dem Julianischen Kalender und nach einer anderen Methode als die Westkirchen, die die Gregorianische Kalenderreform des 16. Jahrhunderts vollzogen haben. Die Ostertermine können deshalb im Extremfall bis zu fünf Wochen auseinander fallen - oder auch zusammenfallen, wie es 2025 der Fall war.
Ostern feiern orthodoxe Christen heuer am 12. April - Woche vor der Fastenzeit wird in der Orthodoxie als "Butterwoche" oder auch "Käsewoche" bezeichnet